An jedem ersten Montag im Monat: Mit über 20 weiteren Gruppen und Organisationen ruft Berlin4Future zur Klima-Montag-Demo auf.
Die Initiative Berlin4Future ist ein freier Zusammenschluss von Menschen, Initiativen und Organisationen, die ein entschlosseneres Handeln der Politik fordern, um die angesichts der Klimakrise bestehenden Herausforderungen zu bewältigen. Der Initiative können sich Privatpersonen, Initiativen und Gruppierungen der Klimagerechtigkeitsbewegung, aber auch Vereine, Kitas, Verbände, Kirchen, Einzelhandelsunternehmen, Gewerbetreibende und andere Unternehmen aus Berlin anschließen.
Was euch heute im Juni erwartet ist aktuell zu lesen:
15 Jahre – hier scheint sich nicht viel verändert zu haben. Mehr Farbe ist dazugekommen. Die Beobachter*innen müssen wissen, dass sich hinter den Mauern ganz viel verändert hat. Gleich hinter der ersten Tür fand in den 80er Jahren die Fahrradwerkstatt ihren Platz. Nach Einrichtung größerer Räume zog sie um und es entstand Platz für das Kinderatelier. Generationen von Kreuzberger Kindern haben dort kleine Schalen und bunte Tiere getöpfert und glasiert.
2017 wagten wir den Sprung und bauten die Räume aus für unsere Minnies. Die Kita für acht Kinder von 0-3 Jahren konnten wir im Februar 2018 fertigstellen.
Der Traum von der „Selbstverwirklichung“ und der Symbiose von „Leben und Arbeiten“ stand am Anfang der Geschichte der Regenbogenfabrik. Allerdings erforderten die noch heute nachweisbaren Hinterlassenschaften des Vorbesitzers, der Chemiefabrik ALCA, 1982 einen Austausch des Boden im Fabrikhof bis zur tiefe von 2 Metern. Das machte uns anschaulich klar, welche Auswirkungen ein Wirtschaften ohne Berücksichtigung der ökologischen Auswirkungen hat. Der Beitrag zur Entwicklung einer umweltverträglichen Lebens- und Arbeitsweise war deshalb von Anfang ein wichtiges Kriterium bei Aktivitäten und Entscheidungen in der Regenbogenfabrik.
Bei der zwischen 1991 und 1995 in Selbsthilfe durchgeführten Instandsetzung und Renovierung des Hinterhauses spielten ökologische Aspekte deshalb eine besondere Rolle. Über die damals üblichen Renovierungsstandards hinaus wurden eine Dachbegrünung und eine Regenwassernutzungsanlage installiert. Außerdem wurden umweltverträgliche und ökologische gut abbaubare Farben, Lacke und Baustoffe verwendet sowie mehr Wärmedämmung als damals vorgeschrieben und eine effizientere Wärmeversorgung eingebaut. Da die zusätzlichen Ausgaben hierfür nicht durch die Förderung des Senats im Rahmen des Selbsthilfeprogramms gedeckt waren, mussten sie durch vermehrte Eigenleistungen der Bewohner:innen finanziert werden.
Aber das hat sich gelohnt. 2015 haben wir analysiert, wie sich der Klimafußabdruck einer Bewohner:in des Hinterhauses von dem Bundesdurchschnitt unterscheidet: Insgesamt sind die jährlichen CO2-Emissionen pro Bewohner:in des Hinterhauses um fast ein Drittel niedriger als der Durchschnitt (Klimaschutz durch Konsument:innen). Diese Reduktion wird einerseits durch das emissionsärmere Hinterhaus (insbesondere Strom- und Wärmeversorgung), andererseits aber auch durch das ökologische und klimabewusste Verhalten der Bewohner:innen (weniger Flugreisen, Zug statt Pkw, fleischarme Ernährung, etc.) und nicht zuletzt durch gemeinschaftliches an sich Wohnen bewirkt. Wenn Geräte wie Waschmaschinen oder Räume gemeinschaftlich genutzt werden, können sie besser ausgelastet werden und verursachen entsprechend weniger Emissionen. Die Wohnfläche pro Bewohner:in liegt bei 13% unter dem Durchschnitt. Das trägt dazu bei, dass weniger Emissionen durch Heizen entstehen.
Die Analyse hat aber auch gezeigt, dass die pro-Kopf-Emissionen im Hinterhaus noch immer dreimal so hoch sind, wie langfristig als global verträglich gilt (2 t CO2/Person). Dies liegt unter anderem daran, dass ein Teil der Emissionen nicht direkt von den Bewohner:innen beeinflusst werden kann, z.B. Emissionen, die durch die öffentliche Dienstleistungen oder Infrastruktur entstehen, und weil ein nicht unwesentlicher Teil der Emissionen, die durch privaten Konsum entstehen, methodisch nicht weiter differenziert und daher mit bundesdurchschnittlichen Werten den Bewohner:innen des Hinterhauses angerechnet werden.
Damit langfristig eine vollständige Dekarbonisierung möglich ist, muss die Wärmeversorgung mittelfristig aber auf Technologien umgestellt werden, die vollständig ohne fossile Energieträger auskommen. Und selbstverständlich muss auch die Stromversorgung sowie die öffentlichen Dienstleistungen und der sonstige Konsum möglichst weit vor 2050 vollständig auf erneuerbare Energieträger umgestellt sein. Ein Teil des Weges in Richtung Dekarbonisierung ist also bereits zurückgelegt. Aber wir sind noch nicht am Ziel und das werden wir nur erreichen, wenn es neben den Reduzierungen im eigenen Umfeld hinreichenden politischen Druck für die Transformation zu einer klimaverträglichen Gesellschaft gibt.
Hier ist echte Auferstehung! Georg geht neben mir im Rhythmus der Trommeln und versucht, gegen die Lautstärke anzukommen. Ich antworte ihm mit einem kurzen Kopfnicken, dann lassen wir uns vom Schlagen der Trommeln wieder einfangen und werden mit der Menge weitergetragen. Der Himmel ist wolkenverhangen und leichter Nieselregen geht nieder. Das Wetter scheint so gar nicht zur Stimmung zu passen, die ein bisschen an Karneval in Rio erinnert, so wie ich ihn mir zumindest vorstelle. Aber es ist auch gar nicht Karneval und wir sind nicht in Rio. Wir gehen über nass glänzendes Kopfsteinpflaster in der Hobrechtstraße, Berlin-Neukölln. Und das Wetter scheint dem Anlass angemessen: David wird beerdigt.
Gerade 11 Jahre ist er alt geworden, bevor ein Unfall seinem Leben ein Ende setzte. Mitten im Spiel stürzte die selbstgegrabene Höhle ein, Massen von Sand begraben ihn. Sein Freund wird Zeuge des Unglücks, alarmiert die Feuerwehr, doch jede Hilfe kommt zu spät. Sie haben ihn aufgebahrt, seine Eltern, zuhause, im Wohnzimmer. Und alle kommen, um Abschied zu nehmen von David, dem mutigen Bruder, dem Freund, neben dem in der Schule alle sitzen wollten, dem Clown und Einrad-Artisten vom Kinderzirkus Cabuwazi, dem Jungen mit den vielen Ideen. Wenn er auf Reisen ging, dann nahm er immer eine leere Tasche mit für die vielen Dinge, die er im Laufe der Reise finden würde. Keine Frage, mit David ist – wie mit jedem Kind, das stirbt – ein Stück unserer Hoffnung gestorben.
Jetzt hat er seine letzte Reise angetreten und wir begleiten ihn ein Stück dabei. Von der Lausitzer Straße in Kreuzberg geht’s zum Thomasfriedhof in Neukölln. Die Stelzenläufer vom Kinderzirkus sperren die Kreuzungen für diesen bunten, merkwürdigen Beerdigungszug mit seiner Mischung von Trauer und Lebensfreude. Die Trommeln schlagen die ganze Zeit „Hier ist Auferstehung!“. Georg neben mir lässt sich einfangen von dieser Stimmung. Er spricht eher mit sich selbst als zu mir. Er braucht meine Bestätigung nicht, er ist sich sicher. Einer hat es auf den Punkt gebracht. Er schickte Davids Eltern eine Karte mit einem Clown. Darauf stand: „Es ist vielleicht ungewöhnlich, mit einer Clownskarte Beileid zu wünschen. Aber es ist auch ungewöhnlich, von einem Toten zu sagen, dass er lebt!“
Berlin, 15. Mai 1997, Radiosendung: Worte für den Tag – Hans-Joachim Ditz