1981 | Sommerfest auf dem Fabrikgelände mit dem türkischem Kindertheater der Schaubühne. Organisiert von der Mieterinitiative Block 109 und dem inzwischen gegründeten Verein Regenbogenfabrik e.V.


1981 | Sommerfest auf dem Fabrikgelände mit dem türkischem Kindertheater der Schaubühne. Organisiert von der Mieterinitiative Block 109 und dem inzwischen gegründeten Verein Regenbogenfabrik e.V.


oder auch das Q-Bat-Freieck genannt
1988 | Das Lenné-Dreieck wird besetzt, eine Fläche auf der Westseite der Mauer, aber Staatsgebiet der DDR. West-Berlin will dort eine Verbindungsstrasse errichten, ein Gebietsaustausch mit der DDR ist geplant. Der Platz wird von den Besetzer*innen in Kubat-Dreieck umbenannt und eine Zeltstadt errichtet. Als die Westberliner Polizei am 1.7.1988 das Kubat-Dreieck räumt, fliehen die Anwesenden über die Mauer in den Osten.
Das ursprünglich und auch heute noch als Lenné-Dreieck bezeichnete Gebiet in Berlin lag nach dem Mauerbau zwar auf Westberliner Seite, gehörte aber eigentlich dem Staatsgebiet der DDR an. Über die Zeit entwickelte sich aus dem ungenutzten Niemandsland ein Biotop mit 161 verschiedenen Pflanzenarten. Westberlin plante auf diesem Gebiet eine Stadtautobahn (Teilstück der Westtangente). Im Rahmen dessen sollte ein Gebietstausch, der 16 Flächen (Enklaven) umfasste, zwischen Westberlin und der DDR stattfinden. Zusätzlich zahlte Westberlin 76 Mio. DM an die DDR. Stichtag der Gebietsübergabe sollte der 1. Juli 1988 sein.
Dies war Anlass für die Besetzung, an der sich Umweltschützer*innen, Punks, Autonome und weitere Linke aus Westberlin beteiligten. Die DDR hatte kein Interesse, die Besetzer*innen zu vertreiben oder wollte keinen Imageverlust gegenüber der Westberliner Linken riskieren. Die Westberliner Polizei hatte wiederum keine Berechtigung, auf das Gebiet zuzugreifen, dadurch ergab sich auf dem Lenné-Dreieck ein Freiraum, der sich zur Besetzung anbot. Das Angebot nahmen hunderte Leute dankbar an. Am 26. Mai errichteten sie auf dem Kubat-Dreieck die ersten Hütten. Der Name sollte an Norbert Kubat erinnern, der nach dem Riot in Kreuzberg am 1. Mai 1987 inhaftiert worden war und sich am 26. Mai 1987 in der Zelle das Leben nahm.
Auf dem Gebiet entwickelte sich ein buntes Dorf mit Hütten, Straßenschildern, VoKü´s, Gemüseanbau und vielem mehr. Die Westberliner Polizei zäunte das Gebiet ein und traktierte die Bewohner*iinnen von außen mit Wasserwerfern. Nachdem die Besetzer*innen hartnäckig blieben, startete die Westberliner Polizei am 20. Juni 1988 einen Großeinsatz, bei dem ca. 1000 Kartuschen Tränengas auf die Bewohner*innen abgeschossen wurden. Die Tränengasschwaden waren noch in Kreuzberg zu spüren. Der Angriff blieb allerdings nicht ohne Reaktion. Drei Tage später folgte der Gegenangriff, bei dem die Besetzer*innen mit Hilfe von Molotowcocktails einen Teil der Umzäunung niederrissen.
Am 1. Juli 1988 fand die Gebietsübergabe statt und die Westberliner Polizei begann bereits am frühen Morgen mit der Räumung.
Wie auf diversen Plenas im Vorfeld geplant, begann ein Teil der Besetzer*innen über die Mauer nach Ostberlin zu klettern, um die Westberliner Polizei ins Leere laufen zu lassen.
Die DDR war ebenfalls vorbereitet, half den knapp 200 Besetzer*innen über die Mauer und setzte sie in die bereitgestellten Transporter. Nach einem Frühstück und kurzer Befragung wurden die Mauersprüngler wieder zurück nach Westberlin gebracht.
Wir danken dem Umbruch Bildarchiv für diese Zusammenfassung. Mehr zu sehen und zu lesen findet ihr auf ihrer Seite.

»Kreuzberg kocht« portraitierte 55 außergewöhnliche Menschen und Initiativen, Kulturprojekte und Vereine, die Kreuzberg heute prägen. In Interviews erzählen sie, wie sie neue Wege beschreiten,
was sie antreibt und wie sie Schwierigkeiten überwinden.
Und: Sie alle verraten ein Lieblingsrezept zum Nachkochen. In den Topf und auf den Teller schauen lassen sich so unter anderem das Ballhaus Naunynstraße, die Ohrbooten und das SO36. Das Ergebnis: ein Mut machendes Buch mit Nähr- und Mehrwert!
Das Kochbuch war eine Idee aus dem Berliner Büchertisch
Die Regenbogenfabrik war darin in verschiedener Weise vertreten.
Wir beginnen die Dokumentation mit der Essensgruppe im Wohnhaus.
Gemeinsamer Tagesmittelpunkt – Essensgruppe in der Regenbogenfabrik
Im Hinterhaus der Regenbogenfabrik lebt eine heterogene Hausgemeinschaft. Die Mitglieder legen Wert auf eine ökologische Lebensweise und biologische Lebensmittel. Seit Jahren trifft sich eine feste Gruppe zum täglichen gemeinsamen Austausch und Abendessen.
Anna: Wie lange gibt es diese Essensgruppe schon?
Christine: Seit fast 30 Jahren. Als wir das Haus besetzt haben, war es für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir zusammen kochen. Ganz zu Anfang haben wir tatsächlich fürs ganze Haus in einer Küche gekocht. Da waren wir zu zweit und waren echt müde, als wir fertig waren. Das war auch längst nicht so eine schicke Küche wie hier. Was man sich eben so zusammensammelt, wenn man als Besetzer*in in so ein Haus geht.
Unsere Gruppe ist aus der Zeit übrig geblieben; auch, wenn die Zusammensetzung sich immer wieder verändert hat,
Anna: Wie habt Ihr die Essensgruppe organisiert?
Christine: Wir sind jetzt 10 Leute, zwei davon sind Kinder, die zwar mal mithelfen, aber die zählen in der Organisation nicht als volles Mitglied. Pro Tag ist einer oder eine von uns zuständig für den gesamten Küchenablauf; das heißt, es muss gesichert sein, dass das Frühstück am nächsten Tag da ist. Es muss das Abendessen gekocht und danach die Küche aufgeräumt werden. Eine*r ist zuständig und ich kann mich sechs Tage die Woche bequem hinsetzen und am siebten Tag bin ich eben die Köchin. Das funktioniert recht gut; auf diese Weise muss jede*r nur drei oder vier Essen kochen können. Es kommt einfach eine Vielfalt auf den Tisch.
Anna: Welche Bedeutung hat das Essen in der Gemeinschaft?
Christine: Es heißt ja Essensgruppe. Und das Essen ist erst mal die Sache, die wir miteinander teilen; den sonstigen Alltag nicht unbedingt. Es ist was anderes als eine WG, wo man sich ja noch über andere Dinge wie Putzen oder so unterhalten muss. Hier ist es klar geregelt. Beim Abendessen ist ganz klar, das soll einmal am Tag eine gemeinschaftliche Sache sein, wo man sich trifft und austauscht. Über das Essen organisiert sich die Gemeinschaft, weil man viel voneinander mitkriegt. Und dann ist es uns natürlich auch wichtig, dass es gute Zutaten sind, dass es für uns und die Umwelt gesund ist. Wir unterstützen den ökologischen Landbau eigentlich seit vielen Jahren. Früher bestellten wir die Lebensmittel aus dem Wendland, um dort die Leute zu unterstützen. Jetzt bestellen wir aus dem Berliner Umland. Was wir nicht direkt aus den Lieferungen kriegen, das kaufen wir in der LPG. Das sind die zwei Hauptaspekte: Etwas zu haben, was den Tagesmittelpunkt für uns gemeinsam bedeutet, egal wo wir sonst den Tag über sind. Und, dass wir so wirtschaften, dass wir uns ökologische Lebensmittel auch leisten können.
Anna: Zeitlich und finanziell bedeutet so eine Gemeinschaftsküche ja eine große Ersparnis. Kannst Du Dir eine Gemeinschaftsküche auch in einer „normalen“ Hausgemeinschaft vorstellen?
Christine: Ich kann mir das natürlich schon vorstellen. Ich diskutiere das oft mit Besucher*innengruppen. Die empfinden das als sehr schwer, sich darauf einzulassen, so einen Raum zu teilen; wenn man die Küche so ganz und gar als sein eigenes Reich empfindet, wo das da steht und jenes dort.
Bei einer Gemeinschaftsküche regelt sich das irgendwann. Die Generation meiner Mutter zum Beispiel ist im Krieg aufgewachsen und hat die Nachkriegszeit erlebt und auch so etwas wie Zwangsbewirtschaftung beim Wohnen. Da waren Menschen gezwungen, die Küche zu teilen. Das war eine Notzeit. An so etwas denken viele, wenn sie Gemeinschaftsküche hören. Wenn das auf freiwilliger Basis geschieht, muss man sich vielleicht eine Weile aneinander gewöhnen, dann funktioniert das aber sehr gut. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, da war es total „cool“, in einen Kibbuz zu reisen. Da gab es oft eine Zentralküche für ein ganzes Dorf. Wo man nur in die Kantine ging und die einzelnen Wohnräume manchmal gar keine Küche hatten. Das sind Formen, die sich nicht durchgesetzt haben. Es scheint nicht so einfach zu sein.
Johns Remoulade mit Fisch und Gemüse
FÜR 4 PERSONEN
Remoulade
200 g Joghurt
200 g Mayonnaise
5 Gewürzgurken, fein gewürfelt
½ Bund Schnittlauch, in kleinen Ringen
Salz, Pfeffer
Fisch
500 g Seelachs- oder Rotbarschfilet
1 Zitrone
1 EL Olivenöl
2 Zwiebeln, in Ringen
300 g Möhren, geschält und in Scheiben
300 g Tomaten, geviertelt
etwas Butter
Salz, Pfeffer, Paprika (edelsüß), Kräuter der Provence
Beilage: Salzkartoffeln
1. Alle Zutaten für die Remoulade mischen und mind. 1 Std. ziehen lassen.
2. Den Fisch waschen, trocken tupfen, beidseitig mit Zitrone einreiben und würzen.
3. Eine Auflaufform mit Olivenöl einfetten. Mit Zwiebeln, Möhren und Fisch füllen, die Tomaten am Rand in die Form legen. Nach Belieben Butterflocken auf den Fisch geben.
4. Bei 200 °C ca. 30-45 Min. auf mittlerer Schiene backen.
5. Den Fisch zusammen mit Gemüse, Salzkartoffeln und Remoulade servieren.

‚Women in Exile‘ ist eine Initiative von Flüchtlingsfrauen, die sich 2002 in Brandenburg zusammen gefunden haben, um für ihre Rechte zu kämpfen. Sie haben entschieden, sich als Flüchtlingsfrauengruppe zu organisieren, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass Flüchtlingsfrauen doppelt Opfer von Diskriminierung sind: Sie werden als Asylbewerberinnen* durch rassistische Gesetze ausgegrenzt und als Frauen* diskriminiert. Der Kampf dagegen wird von geschlechtergemischten Flüchtlingsselbstorganisationen ihrer Erfahrung nach wenig mitgetragen, da diese häufig von Männern dominiert sind, die andere Themen als wichtiger ansehen.
Women in Exile e.V. wurde 2011 in Potsdam gegründet und ist als gemeinnützig anerkannt.
2011 baute ‚Women in Exile’ die Gruppe ’Women in Exile & Friends‘ auf, in der auch solidarische Aktivistinnen ohne Fluchthintergrund mitarbeiten.
Gemeinsam tragen sie flüchtlingspolitische Forderungen aus feministischer Perspektive an die Öffentlichkeit. Zum Beispiel mit der Kampagne „Keine Lager für Frauen und Kinder! Alle Lager abschaffen!“.
In diesem Netzwerk treffen sie sich jeden ersten Samstag im Monat um 13 Uhr in Berlin oder in Potsdam, um Strategien und Aktionen der Kampagne zu diskutieren und umzusetzen.
Wenn ihr die Kampagne unterstützen wollt, seid ihr, wie sie in ihrer Homepage schreiben, herzlich willkommen, an diesen Treffen teilzunehmen.
Wir haben uns entschlossen, dieses Beispiel von Selbstorganisation an diesem 24. Juni im Blog zu veröffentlichen, weil sich heute zum siebtem Mal die Räumung der Gerhard Hauptmann Schule jährt.
Einige der Flüchtlinge konnten sich damals auf das Dach zurückziehen. Sie drohten zu springen, wenn das Gebäude geräumt wird. Der gesamte Block blieb eine Woche komplett abgeriegelt. Ca. 1000 Polizisten waren im Einsatz.
Wir sind voller Bewunderung für Mut und Stamina der Frauen und sind sicher, eine bessere Welt ist möglich: Fluchtursachen richtig bekämpfen!
Christine
