Kreuzberg kocht

»Kreuzberg kocht« portraitierte 55 außergewöhnliche Menschen und Initiativen, Kulturprojekte und Vereine, die Kreuzberg heute prägen. In Interviews erzählen sie, wie sie neue Wege beschreiten, 
was sie antreibt und wie sie Schwierigkeiten überwinden.
Und: Sie alle verraten ein Lieblingsrezept zum Nachkochen. In den Topf und auf den Teller schauen lassen sich so unter anderem das Ballhaus Naunynstraße, die Ohrbooten und das SO36. Das Ergebnis: ein Mut machendes Buch mit Nähr- und Mehrwert!

Das Kochbuch war eine Idee aus dem Berliner Büchertisch

Die Regenbogenfabrik war darin in verschiedener Weise vertreten.

Wir beginnen die Dokumentation mit der Essensgruppe im Wohnhaus.

Gemeinsamer Tagesmittelpunkt – Essensgruppe in der Regenbogenfabrik

Im Hinterhaus der Regenbogenfabrik lebt eine heterogene Hausgemeinschaft. Die Mitglieder legen Wert auf eine ökologische Lebensweise und biologische Lebensmittel. Seit Jahren trifft sich eine feste Gruppe zum täglichen gemeinsamen Austausch und Abendessen.

Anna: Wie lange gibt es diese Essensgruppe schon?

Christine: Seit fast 30 Jahren. Als wir das Haus besetzt haben, war es für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir zusammen kochen. Ganz zu Anfang haben wir tatsächlich fürs ganze Haus in einer Küche gekocht. Da waren wir zu zweit und waren echt müde, als wir fertig waren. Das war auch längst nicht so eine schicke Küche wie hier. Was man sich eben so zusammensammelt, wenn man als Besetzer*in in so ein Haus geht.
Unsere Gruppe ist aus der Zeit übrig geblieben; auch, wenn die Zusammensetzung sich immer wieder verändert hat,

Anna: Wie habt Ihr die Essensgruppe organisiert?

Christine: Wir sind jetzt 10 Leute, zwei davon sind Kinder, die zwar mal mithelfen, aber die zählen in der Organisation nicht als volles Mitglied. Pro Tag ist einer oder eine von uns zuständig für den gesamten Küchenablauf; das heißt, es muss gesichert sein, dass das Frühstück am nächsten Tag da ist. Es muss das Abendessen gekocht und danach die Küche aufgeräumt werden. Eine*r ist zuständig und ich kann mich sechs Tage die Woche bequem hinsetzen und am siebten Tag bin ich eben die Köchin. Das funktioniert recht gut; auf diese Weise muss jede*r nur drei oder vier Essen kochen können. Es kommt einfach eine Vielfalt auf den Tisch.

Anna: Welche Bedeutung hat das Essen in der Gemeinschaft?

Christine: Es heißt ja Essensgruppe. Und das Essen ist erst mal die Sache, die wir miteinander teilen; den sonstigen Alltag nicht unbedingt. Es ist was anderes als eine WG, wo man sich ja noch über andere Dinge wie Putzen oder so unterhalten muss. Hier ist es klar geregelt. Beim Abendessen ist ganz klar, das soll einmal am Tag eine gemeinschaftliche Sache sein, wo man sich trifft und austauscht. Über das Essen organisiert sich die Gemeinschaft, weil man viel voneinander mitkriegt. Und dann ist es uns natürlich auch wichtig, dass es gute Zutaten sind, dass es für uns und die Umwelt gesund ist. Wir unterstützen den ökologischen Landbau eigentlich seit vielen Jahren. Früher bestellten wir die Lebensmittel aus dem Wendland, um dort die Leute zu unterstützen. Jetzt bestellen wir aus dem Berliner Umland. Was wir nicht direkt aus den Lieferungen kriegen, das kaufen wir in der LPG. Das sind die zwei Hauptaspekte: Etwas zu haben, was den Tagesmittelpunkt für uns gemeinsam bedeutet, egal wo wir sonst den Tag über sind. Und, dass wir so wirtschaften, dass wir uns ökologische Lebensmittel auch leisten können.

Anna: Zeitlich und finanziell bedeutet so eine Gemeinschaftsküche ja eine große Ersparnis. Kannst Du Dir eine Gemeinschaftsküche auch in einer „normalen“ Hausgemeinschaft vorstellen?

Christine: Ich kann mir das natürlich schon vorstellen. Ich diskutiere das oft mit Besucher*innengruppen. Die empfinden das als sehr schwer, sich darauf einzulassen, so einen Raum zu teilen; wenn man die Küche so ganz und gar als sein eigenes Reich empfindet, wo das da steht und jenes dort.
Bei einer Gemeinschaftsküche regelt sich das irgendwann. Die Generation meiner Mutter zum Beispiel ist im Krieg aufgewachsen und hat die Nachkriegszeit erlebt und auch so etwas wie Zwangsbewirtschaftung beim Wohnen. Da waren Menschen gezwungen, die Küche zu teilen. Das war eine Notzeit. An so etwas denken viele, wenn sie Gemeinschaftsküche hören. Wenn das auf freiwilliger Basis geschieht, muss man sich vielleicht eine Weile aneinander gewöhnen, dann funktioniert das aber sehr gut. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, da war es total „cool“, in einen Kibbuz zu reisen. Da gab es oft eine Zentralküche für ein ganzes Dorf. Wo man nur in die Kantine ging und die einzelnen Wohnräume manchmal gar keine Küche hatten. Das sind Formen, die sich nicht durchgesetzt haben. Es scheint nicht so einfach zu sein.

Johns Remoulade mit Fisch und Gemüse

FÜR 4 PERSONEN

Remoulade
200 g Joghurt
200 g Mayonnaise
5 Gewürzgurken, fein gewürfelt
½ Bund Schnittlauch, in kleinen Ringen
Salz, Pfeffer

Fisch
500 g Seelachs- oder Rotbarschfilet
1 Zitrone
1 EL Olivenöl
2 Zwiebeln, in Ringen
300 g Möhren, geschält und in Scheiben
300 g Tomaten, geviertelt
etwas Butter
Salz, Pfeffer, Paprika (edelsüß), Kräuter der Provence

Beilage: Salzkartoffeln

1. Alle Zutaten für die Remoulade mischen und mind. 1 Std. ziehen lassen.
2. Den Fisch waschen, trocken tupfen, beidseitig mit Zitrone einreiben und würzen.
3. Eine Auflaufform mit Olivenöl einfetten. Mit Zwiebeln, Möhren und Fisch füllen, die Tomaten am Rand in die Form legen. Nach Belieben Butterflocken auf den Fisch geben.
4. Bei 200 °C ca. 30-45 Min. auf mittlerer Schiene backen.
5. Den Fisch zusammen mit Gemüse, Salzkartoffeln und Remoulade servieren.