Frieden für die Ukraine

„Es fühlt sich ganz anders an, diese Fotos jetzt wieder zu sehen“, schreibt Sęrife in ihren begleitenden Worten, als sie uns ihre Fotos zur Verfügung stellt.
„Wo früher eine Streetart-Wand mit einem bemalten Molotowcocktail nur ein schönes Bild für mich war, fühlt es sich jetzt ganz deprimierend an.

Odessa street art. Auch dieses Foto bekommt jetzt ein anderes Gefühl

Leute, die die Nationalhymne singen. Normalerweise mag ich das nicht so sehr, aber jetzt berührt es mich und ich verstehe besser, warum es ihnen so wichtig ist.

Odessa 19. Mai. 2019: Die Ukrainer singen am Vyshyvanka (traditionelles Kostüm)-Tag die Nationalhymne

2019, da war ich das letzte Mal dort. Ein Land, das sich kurz vor der Corona-Pandemie so lebendig angefühlt hat mit netten, gastfreundlichen Menschen, die einfach ein normales Leben führen wollen.

Jetzt denke ich die ganze Zeit: Scheiße Mann, die Leute auf den Bildern und Videos und alle anderen – in was für einer Scheiße stecken sie gerade. So traurig und ungerecht.

Freizeit in der Sonne, Odessa
2019 Markt in Odessa

Heute Morgen sah ich ein Video von Zelensky, der ein Video machte, um zu beweisen, dass er immer noch in Kiev ist.
Er filmte aus dem Fenster; ich sah das Horodecki-Haus gegenüber, von wo er sitzt.
Es ist so ein lustiges, kreatives und einfallsreiches Gebäude! Wie lange wird es stehen und der Rest der Stadt/Land??

Kiev 2019, Horodecki House, Bankova Straße, Ansicht wie aus Zelenskys Büro

Ich mag den Architekturstil Brutalismus, also gingen wir zum Krematorium vor dem Gebäude. Und ich bin immer neugierig, wie Friedhöfe in anderen Ländern aussehen und wie damit umgegangen wird…
Kann dieses Foto in die Serie aufgenommen werden? Alles bekommt wirklich eine andere Bedeutung, jetzt, wo dort Krieg ist.

Krematorium in Kiew

Ich finde es so schwierig, eine passende Auswahl zu treffen. Also trefft ihr für mich die Wahl; dies ist die kleinste Auswahl, die ich treffen konnte, obwohl es immer noch einige gibt.“

Sęrife

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Vyshyvanka Tag
https://winterwindstravel.wordpress.com/2019/05/20/ -day-and-the-rise-of-ukrainian-nationalism/

Horodecki-Haus
https://en.wikipedia.org/wiki/House_with_Chimaeras

Memory Park/Crematorium/Brutalism
http://architectuul.com/architecture/memory-park-kiev

Jeder Tag ist Frauentag!

Gisela Notz: Rede am 8. März, dem Internationalen Frauentag, auf dem Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin

Liebe Freund:innen, liebe Kolleg:innen,

Ich komme vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung, das heute mit einigen anderen Gruppen auf dem Nettelbeckplatz versammelt ist. Ich überbringe solidarische Grüße von allen Mitstreiter:innen. Beim feministischen Kampftag 2023 soll es – nachdem sich hoffentlich auch Corona aus dem Staub gemacht hat – eine Riesendemo geben. Das machen wir gemeinsam. Heute trösten wir uns damit, dass auch schon 1911, am ersten internationalen Frauentag, in Berlin 42 Veranstaltungen gezählt wurden, die alle glänzend besucht waren.

Wir vom Bündnis streiten vor allem für sexuelle Selbstbestimmung und reproduktive Gerechtigkeit und für die vollständige Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. 150 Jahre §218 im StGB sind mehr als genug. Der
§218 ist ein Klassenparagraf und er trifft vor allem arme Frauen. Auch wir fordern die Wertschätzung, gerechte Bezahlung und Verteilung für die Sorgearbeiten und das gute Leben für alles, was Menschenantlitz trägt.
Ich möchte angesichts der aktuellen Situation – schließlich haben wir wieder Krieg, von dem auch wir betroffen sind – auf die Ursprünge des Internationalen Frauentages zurückkommen.

In die Geschichte eingegangen ist er vor allem als Kampftag für das allgemeine, gleiche Wahlrecht auch für Frauen. Eine Forderung, die im Jahre 1919 zwar zum Erfolg führte, aber die Situation der Frauen insgesamt nur mäßig verbesserte, besonders nicht, wenn es sich um unsere Themen handelt. Dass der Internationale Frauentag für die Sozialistinnen von Anbeginn an unter dem Zeichen des Kampfes gegen Militarismus und für die Erhaltung des Weltfriedens stand, ist heute wenig bekannt. Aufgrund des bereits drohenden Ersten Weltkrieges – in den verschiedenen Ländern wurde heftig aufgerüstet – wurde bei der II. Konferenz Sozialistischer Frauen, die am 26. und 27. August 1910 in Kopenhagen tagte, nicht nur der Internationale Frauentag ins Leben gerufen, der auch damals schon mit der Forderung nach besseren Arbeits- und Lebensbedingungen für Frauen verbunden war, sondern auch eine „Resolution, die Erhaltung des Friedens betreffend“ verabschiedet. Die Resolution benannte die durch die kapitalistische Produktionsweise verursachten sozialen Gegensätze als Ursache der Kriege. Die Frauen setzen damals große Hoffnung auf „das kämpfende Proletariat“ als „Armee des Friedens“.
Das Thema „Militarismus und Krieg“ begleitete in der Folgezeit viele Internationale Frauentage. Rosa Luxemburg rief den Arbeiter:innen diesseits und jenseits der Grenze zu: „Du sollst nicht töten!“. Dafür musste sie ein Jahr ins Gefängnis.

Wieder aktuell ist die Rede, die die Textilarbeiterin und Gewerkschaftskollegin Adelheit Popp, bei der großen Demonstration zum Internationalen Frauentag 1911 in Wien hielt. Sie sagte: „Wir wollen aber auch dagegen kämpfen, dass Millionen verschwendet werden für Mordzwecke und Bruderkrieg.
Wir wollen, dass die Mordrüstungen ihr Ende nehmen und diese Millionen verwendet werden für die Bedürfnisse des Volkes!“

Seitdem sind über 100 Jahre vergangen, doch das gilt auch heute noch. Nieder mit dem Krieg!

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Das Beitragsbild erhielten wir aus Griechenland zugeschickt:

„Da kehrt man immer zurück“

Den Frühling im Jahr 1997 behalte ich für immer im Gedächtnis.
Das war mein erster längerer, ein paar Monate andauernder Aufenthalt in Berlin. Damals habe ich Christine kennengelernt. Zum ersten Mal haben wir uns an einem warmen Nachmittag im April getroffen. Das war der Anfang, der bis heute andauernden Freundschaft.

Christine hat vor mir die Orte von Berlin entdeckt, die ich als Touristin nie gefunden hätte. Ich konnte die Stadt mit ihrer wunderschönen Architektur, Geschichte und Kultur gleich zusammen mit der Regenbogenfabrik kennenlernen, die für mich zu einem merkwürdigen Zentrum der Stadt geworden ist. Dank Christine habe ich jahrelang die Idee der vielfältigen, außergewöhnlichen und bunten Regenbogenfabrik erkundet, die freundlich zu den Menschen, tolerant und offen für die Sozialbedürfnisse der Gesellschaft im multikulturellen Berlin ist.

In fast drei Dekaden habe ich an verschiedenen Projekten, die von der Regenbogenfabrik und der Städtepartnerschaft Berlin – Szczecin durchgeführt wurden, teilnehmen können. Im Rahmen der Mitarbeit zwischen Deutschland und Polen wurden u.a. deutsch – polnische Sprachkurse organisiert. Es sollte in dem Zusammenhang das Projekt „Gryfino – 1988“ erwähnt werden, in dem parallel zwei Sprachkurse liefen: ein Polnisch-Sprachkurs für Berliner und ein Deutsch-Sprachkurs für Stettiner. Ich, eigentlich Deutschlehrerin, habe Polnisch unterrichtet. Das war für mich etwas ganz Neues. Anlässlich dieses Aufenthalts in Gryfino habe ich an vielen Veranstaltungen teilgenommen, die den Teilnehmern aus den Städten Gryfino und Szczecin ihre Gegend näher gebracht haben.

Besonders warm erinnere mich an einen Polnischsprachkurs, der im Wohnhaus der Regenbogenfabrik, im gemütlichen Dachgeschoss, in bester Atmosphäre beim morgendlichen Kaffee und Frühstück veranstaltet wurde. An dem Kurs haben Christine und Dorothea teilgenommen. Das waren die anspruchsvollen Schülerinnen, die von der Lehrerin ein besonderes Engagement erwartet haben. Als Lehrerin haben mir die Unterrichtsstunden viel Spaß gebracht. Sie waren für mich eine bedeutende Berufs- und auch Lebenserfahrung.

In der Zeit vor den Feiertagen, vor allem vor den Weihnachtstagen, hat jedes Jahr hat das polnisch-deutsche Kochevent stattgefunden. Am festlichen Kochen haben Leute teilgenommen, die mit der Regenbogenfabrik befreundet waren. Es ginge nicht nur um das Kennenlernen und die Vorbereitung der festlichen Speisen, die für das jeweilige Land charakteristisch sind, sondern auch um das Kennenlernen der Bräuche, die mit der Festkultur in den beiden Ländern verbunden sind. Das war ein vortreffliches Vergnügen, nicht nur die Gaumenfreuden; es war auch sinnliche Nahrung.

Sehr nett erinnere ich mich an die Radtouren und die Spritztouren außerhalb von Berlin. Eine von solchen Veranstaltungen war eine Radtour, die am 9. Juli 2001 stattgefunden hat. Dabei waren nur Berliner:innen; die einzige, die nicht aus Berlin kam, war ich.
Die Tour wurde „Radtour rund um das Stettiner Haff“ genannt, aber die Idee des Unternehmens konzentrierte sich auf Erkundung der Grenzgebiete in Deutschland und Polen mit ihrer Geschichte. Das war nicht nur Herausforderung für meine Kondition, für mein Fahrrad war es die echte Probe der Widerstandfähigkeit. Zur Regenbogenfabrik gehört die Fahrradwerkstatt, die früher auch Fahrradklinik genannt wurde. Da kann man selbst, mit der Hilfe der dort arbeitenden Leute, sein Fahrrad für die Fahrt vorbereiten. Sie haben sich durch besondere Geduld und großes Talent für die Weitergabe des Wissens, wie das Fahrrad funktioniert, ausgezeichnet.
Dank ihnen hat mein Fahrrad manch eine Radtour unversehrt überstanden.

Ungewöhnlich ist für mich, dass sich in der Regenbogenfabrik die europäischen und Welt-Wege kreuzen. Menschen aus allen Erdteilen besuchen den Ort. Jede:r kommt mit einer einmaligen Geschichte. Mehrfach habe ich Menschen getroffen, die politisches Asyl bekommen haben und Zuflucht finden konnten.

Bis heute komme ich mit meinen Freunden, mit meinen Verwandten zur Regenbogenfabrik. Sie werden von den Bewohner:innen immer herzlich begrüßt. Sie erleben, ähnlich wie ich, die Werte der multikulturellen Regenbogenfabrik, die zu ihrer Grundlage geworden sind.

Unser Gedächtnis ist unvollkommen; da ist eine Mischung von Erfahrungen, Gesprächen, Gefühlen im jeweiligen Moment und viele Sachen werden dann doch vergessen. Deswegen habe ich mich nur an manche Ereignisse während meiner Aufenthalte in der Regenbogenfabrik zurückerinnert. Dieser Ort hat in meinem Leben eine große Rolle gespielt, hat meinem Leben frischen Sinn gegeben, es angereichert, Einfluss auf meine Gedanken gehabt, auf meine Wahrnehmung der Wirklichkeit, die in den neunziger Jahren so anders als in Polen in der Transformation war – und zur Zeit verschiedenen Veränderungen unterliegt. Unzählige Gespräche waren für mich eine besondere Lektion über Demokratie. In diesem Millieu habe ich viele Werte wie Toleranz, Freundlichkeit den Menschen gegenüber, Offenheit für andere Menschen, Selbstlosigkeit, nicht absagen der Bitte, die mit voller Achtung und Neugier auf einfache Menschen erleben können. Die Freundschaft spielt da die bedeutsame Rolle in der Entwicklung und Dauer der Gemeinschaft der Bewohner:innen. Niemand wird von niemandem bewertet, kritisiert. Jede und Jeder, auch als Zugereiste, fühlen sich wie zu Hause. Da konnte ich mehrfach selbst auf Unterstützung der freundlichen Menschen rechnen.

Immer wenn ich zur Regenbogenfabrik komme, begleiten mich einzigartige Emotionen, die warme Erinnerungen hervorrufen. Die Magie dieses Ortes verzaubert jeden, der sie erlebt hat.

Alina Chelstowska

Bundesweiter Frauen:kampftag 8. März 2022

Nettelbeckplatz

Veranstaltung von Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung, Dziewuchy Berlin und Omas gegen Rechts Berlin / Deutschland-Bündnis

Wir kämpfen weiter und gehen am 8.3.2022 mit euch auf die Straße!

Euch erwartet ein vielfältiges, internationales Programm mit kurzen
kämpferischen Redebeiträgen zu verschiedenen feministischen Themen
sowie künstlerische und musikalische Beiträge.


Programm

11:00 Begrüßung und Hinweise

11:15 Women in Exile – Chor und Redebeitrag

11:25 Junge Humanistinnen Berlin – Redebeitrag zu Mädchenrechten
Centre Talma und des Mädchen- und JungenSportZentrum
0Tanz – „Gewalt an Frauen“

11:40 OMAS GEGEN RECHTS Trommeln

11:45 Dziewuchy Berlin
Redebeitrag zum Thema $218 und 219 Situation in Polen
Performance – 12:00 Global scream dziewuchy

12:05 Resonanzchor

12:15 Gisela Notz – Redebeitrag zur Geschichte des §218 (219a)

12:20 Doctors for Choice, Alicia Baier – Redebeitrag zu §219a

12:30 GEW Marie – Redebeitrag – Situation von Frauen in Sozialarbeit

12:35 MigrantinnenVerein Berlin, Klanggruppe
Ayse Haman „Kräfte bündeln, gemeinsam kämpfen
Performance:„Frauen Power Vorwärts“

12:55 OMAS GEGEN RECHTS Trommeln

13:00 Berlin Courage – Redebeitrag: Mariana zur Doppelbelastung der Frau
Lied ohne Angst
Marina zur Weltfrauenkonferenz

13:10 Dr. Idah Nabateregga:
Frauen:unterdrückung durch weibliche Genitalverstümmelung

13:20 Sängerin (Elisabeth Stützer)

13:25 Han Jung-Hwa, Korea Verband:
Warum hört die sexuelle Gewalt an Frauen* nicht auf? – Der Umgang mit
der Friedensstatue in Moabit

13:30 Berliner Netzwerk gegen Feminizide:
Rede zur Umbenennung des Platzes

13:35 Stadtschloss Moabit – Chor unter Leitung von Maxim Heller
DIDF-JUGEND: Roylan
Gemeinsam Kämpfen für Gleichstellung, höhere Löhne und ein
solidarisches Zusammenleben

13:40 OMAS GEGEN RECHTS On Stage
Performance: Das geht mir auf den Sack (auch wenn ich keinen hab)

13:50 Dziewuchy Berlin .- Rede zum Sisters*Preis Awards

13:55 Trommel-AG Omas gegen rechts
Abschluss: Gemeinsames Lied
Melodie: Hejo spann den Wagen an
Text: Oma Marnie
1. Frauen weit ist unser Weg
weil der Kampf noch nicht zu Ende geht
Halten wir zusammen
halten wir zusammen
2. Frauen schaut die Welt euch an
retten wir was Frau noch retten kann
Geh´ n wir auf die Straßen
geh`´ n wir auf die Straßen