Auflösung Bilderrätsel sechs

Wie immer war das nicht schon immer so. Als die Fabrik besetzt wurde, war auch diese Fassade eher dunkel, anthrazit, um es vornehm auszudrücken. Dann kam rosa. Wieso das?

Das Vorderhaus der Regenbogenfabrik wurde nicht besetzt. Wie schon berichtet, war hier eine türkisch-deutsche Initiative darum bemüht, ein Selbsthilfeprojekt zu entwickeln. Für das Hochparterre gab es bereits Pläne und Bemühungen, die Wohnung zu einer Kita auszubauen. Als absehbar war, dass hier nicht fair gespielt wurde und hinter unserem Rücken alles anders lief, gab es eine Besetzung. Sie war nicht lange zu halten, doch den Farbton hatten wir mit geschenkter Farbe gesetzt. Noch heute ist die Fassade rosa.

Zweite Geschichte: 2010 haben ein paar Fußballenthusiast*innen im Kino zum public viewing eingeladen. Und damit es keine*r übersieht, wurde die Fassade entsprechend verziert.

Soweit, so hübsch. War auch sehr unterhaltsam. Doch die Kritik an dem Fußballzirkus und der korrupten FIFA war auch vor elf Jahren schon groß. Und so kam es dazu, dass der schicke Schriftzug am Ende der Weltmeisterschaft umgehend unter bunten Kullern und einem schwungvollen Schriftzug verschwand.

So wird uns jetzt klar, dass nichts bleibt, wie es war.

2007 | 1. fränkisches Bierfest

Es war das erste und bisher auch das einzige fränkische Bierfest. Schade eigentlich, es war eine feine Sache. Die Organisatoren haben uns gezeigt, dass nicht nur das Bier von dort lecker ist. Im Angebot war auch lecker Wein, würziges Brot und wunderbare Bratwürste.

Tortenheber

Südblock im Sommer 2011: Jenny, Gabi und ich stehen auf einer Party herum. Coole Djane, hippes Publikum und wir sind froh, dass wir ein paar bekannte Gesichter ausmachen, so dass sich keine völlig außen vor fühlt.
Während wir die tanzenden Menschen beobachten, entsteht die Idee, eine eigene Partyreihe zu veranstalten. Eine Party, die unkommerziell und vor allem uncool sein sollte – für Frauen, Trans, queere Menschen, Altlinke, whatever …, aber mit guter Laune! Das Ganze ohne Eintritt, sondern nur auf Basis einer freiwilligen Spende, ganz niedrigschwellig.
Diese Spenden sollten an soziale Organisationen, Einzelpersonen oder an unabhängige Gruppen gehen, die das Geld gerade brauchen konnten.
Jenny und ich wollten auflegen und wünschten uns gleich Lui dazu, die gut zu uns passen würde. Gabi kümmerte sich bei den ersten Parties um visuelle Effekte. Wir nannten uns das Ballroom Blitz  DJ – Kollektiv.
Die Namensgebung, nach der wir immer wieder gefragt werden, ist ein Ergebnis stundenlangen Brainstormings mit viel Lachen. Der sehr verkürzte Weg: Couchpotatoes, Torten, die Torten von der Couch heben … Tortenheber … auf jeden Fall einprägsam.

Angefangen haben wir dann am 21.10. 2011 mit einer Party im Südblock. Doch die Location war für unser Zielpublikum nicht so optimal und es entstand eine Wanderung durch den Kiez, sogar nach Neukölln! Durch Läden, die es teilweise gar nicht mehr gibt.

Wer sich noch erinnern mag: die Marianne (heute das Oya in der Schokofabrik), das L.U.X. in der Schlesischen Straße, das Mio`l in der Muskauer Straße, die Aky-Lounge in der Tellstraße.

Wir tanzten und feierten für den Queeren-Wagenplatz in der Kiefholzstraße, den abgebrannten Lautsprecherwagen der Berliner Lautigruppe, für Romafamilien in Berlin, für Sonja und Christian (RZ), das Bündnis gegen Zwangsräumung und die Stillestraße.
Immer wieder luden wir uns auch Gast-DJs ein, um den Gäst*innen mehr Abwechslung zu bieten.

Am 26.04.14 fand nach diesen vielen Wechseln die erste Party in der Regenbogenfabrik statt.
Optimale Größe, rauchfrei und kein Hartalk – wie schön!
Nicht einmal Türsteher*innen waren hier nötig, da in die Regenbogenfabrik nur kam, wer unbedingt wollte – abseits vom Strom der Menschen, die auf der Suche nach der nächsten Party waren.
Kleiner Wermutstropfen: leider nicht barrierefrei, so dass ein paar Menschen nicht mehr kommen konnten.

Die Spenden der ersten Party gingen an das Trans*-Inter*- Schwimmen im geschützten Raum.

Unser kleines Kollektiv fand es wunderbar, im großen Kollektiv einen Raum gefunden zu haben. Zwar kannten wir die Regenbogenfabrik alle schon vorher, von privaten Besuchen, doch jetzt wurde der Kontakt enger und wir veranstalteten dort selbst etwas.

Es folgten Parties für Wildwasser e.V., die Reiche 114 und die Reichi 73 am 25.04.15. Dies war die letzte, auf der Jenny es nochmal krachen ließ.
In den frühen Stunden des 19.07.15 starb sie friedlich und entspannt in dem Wissen, ein volles Leben gehabt zu haben.
Und sie ist immer noch bei uns, denn jedes Mal spielen wir zwei, drei Songs, die sie auf jeden Fall aufgelegt hätte.

Für Lui und mich war klar, dass wir im Sinne Jennys weiter Veranstaltungen planen und mit Unterstützung der Regenbogenfabrik konnten wir bis zum Lockdown im März 2020 noch vielen Projekten Spenden zukommen lassen. Z.B. dem Seminarhaus Quecke, International Women*Space, Vernetzung der Akelius-Mieter*innen, Flamingo e.V., die Kita der Regenbogenfabrik und… und… und…

Und vielleicht sind irgendwann auch wieder Tanzveranstaltungen in geschlossenen Räumen möglich?!

Ellena