Aus der Ecke geholt – ein drastisches Erinnerungsstück

Großputz im Kinosaal! Adieu ihr Spinnweben, raus mit angesammeltem Zeug, das keine:r mehr braucht. Alles? Was ist das denn? Weshalb steht hier in der Ecke so ein Ding? Eine offensichtlich über den Flaschen zusammengeschmolzene Getränkekiste? Eingepackt in eine Vitrine? Also doch nicht wegwerfen, ist das irgendwie wichtig?

Nein, nicht wegwerfen! Auch wenn sich keine und keiner mehr an die Ausstellung erinnern kann, in der dieses Artefakt gestanden hat. Da gibt es aber doch noch die arge Erinnerung an den Tag, die Nacht, in der diese „Skulptur“ entstanden ist: 1981, Brand in der Regenbogenfabrik. Hier im Blog hatten wir zum traurigen Jahrestag darüber berichtet:
https://regenbogenfabrik40.blog/2021/09/20/1981-brandanschlag-auf-die-regenbogenfabrik/

Beitragsfoto: Christine Ziegler

in memoriam – Karl Köckenberger

Karl lebte 30 Jahre im Wohnhaus der Regenbogenfabrik, von 1981 bis 2011. Tatsächlich vom 14. März an, er war also einer der Erstbesetzer. In dieser Zeit war er Auszubildender bei Krupp Stahlbau und über diese berufliche Situation auch Mitglied der IG Metall Berlin geworden. Aktiv wurde er dort auf verschiedenen Ebenen, unter anderem auch in der Handwerksjugendgruppe. Und gemeinsam mit dieser stürzte er sich ins Abenteuer Hausbesetzung.

Mitgedacht und mitgemacht in so vielfältiger Weise: planen, bauen, Kinder großziehen. Demonstrieren, träumen, weiterwachsen. Denken und handeln lokal und global. Nicht nur im Kiez in der Wohnungspolitik mitmischen, sondern auch internationale Solidarität mit Nicaragua leben. Neue Formen des Zusammenlebens entwickeln und Verantwortung übernehmen in Betrieb und Gesellschaft.

Und dann die Einräder! Wer hätte gedacht, dass aus der kleinen Gruppe von Nachbarskindern, die sich im Hof trafen, um Einradfahren zu üben, mal ein ganzer Kinderzirkus entstehen würde, in dem täglich hunderte Kindern trainieren und sich dabei selbst erfahren und daran wachsen. An diese Wirkung hat Karl im ersten Moment sicher auch nicht gedacht, aber es gab in seinem Leben dieses Trotzdem-Vertrauen aufs Unsichere das Hilde Domin auf die Formel gebracht hat: „Ich setzte den Fuß in die Luft, / und sie trug.“

https://regenbogenfabrik40.blog/2021/07/10/geburtstagskind-des-tages-karl-kockenberger/

https://cabuwazi.de/2023/12/07/in-erinnerung-an-karl-koeckenberger/

https://www.erinnernankarl.de/

August Bebel oder: Der revolutionäre Sozialdemokrat

August Bebel (1840 – 1913) schloss sich als Handwerksgeselle der Sozialdemokratie an und wurde schnell zu einem ihrer bedeutendsten Vertreter. Ab 1867 war er Abgeordneter im Reichstag und Präsident des Verbandes Deutscher Arbeitervereine, ab 1890 einer der beiden Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).

Oft wird Bebel als »Arbeiterkaiser« bezeichnet, was ihm vermutlich nicht gefallen hätte, da er ein entschiedener Gegner der Monarchie war. Er trat ein für Sozialismus, Vergesellschaftung und die Gleichberechtigung der Geschlechter und bekämpfte Kapitalismus, Militarismus, Antisemitismus und Kolonialismus bis zu seinem Tode im Jahr 1913.

Im Juli 2023 ist im Karl Dietz Verlag Berlin eine neue Biografie erschienen.

Wir haben die Autorin gebeten, uns das Buch vorzustellen.

Gisela Notz
Historikerin, Sozialwissenschaftlerin und Aktivistin. Sie war bis 2007 am Historischen Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung tätig und hat unter anderem zur Geschichte der Frauen-, ArbeiterInnen und Alternativbewegung publiziert. Seit 2003 ist Gisela Notz Herausgeberin eines Frauenkalenders mit Postkartenset zu Wegbereiterinnen einer emanzipatorischen Frauenbewegung. Diesen Kalender haben wir zu seinem 20-jährigen Jubiläum besonders gefeiert.

https://regenbogenfabrik40.blog/2021/10/30/wegbereiterinnen-xx/

Die Lesung wird musikalisch begleitet von Christa Weber und Stefanie Rediske.

Christa Weber
Autorin, Schauspielerin und Mitbegründerin des Weber-Herzog-Musiktheaters. Sie war u.a. engagiert am Thalia-Theater Hamburg, Ruhrfestspiele Recklinghausen, am Zürcher Schauspielhaus, am TdJ/Münchner Kammerspiele; schreibt Erzählungen und Hörspiele (SWR und Radio Bremen), Theaterstücke und Libretti (z.B. Oper Dortmund, Sächsische Staatsoper Dresden, Komische Oper Berlin).

Begleitet wird sie von Stefanie Rediske, die musikalische Leiterin des Berliner Kabarett „Klimperkasten“ war und als Liedbegleiterin mehrerer Künstlerinnen tätig ist.

Auch Christa Weber hatten wir schon zu Gast in der Regenbogenfabrik:
https://regenbogenfabrik40.blog/2021/10/12/lizzy-will-es-wissen/

Vielleicht wird auch Stefanie Rediske nach dem Abend Lust haben, uns in RegenbogenKino wieder die Ehre zu geben?

Christine Ziegler

Mit voller Energie – Tag des offenen Denkmals 2023

Am Sonntag, dem 10. September ist es wieder soweit. Wir beteiligen uns am Tag des offenen Denkmals. Und das bereits zum 19. Mal.

Hier eine kleine Rückschau mit den Plakaten der vergangenen Jahre:

https://regenbogenfabrik40.blog/2021/06/18/denkmal-unterm-regenbogen/

Das Motto lautet 2023: Voller Energie

Dies alles erwartet Euch:

Ab 14:00 Basar

15:00 Führung durch unser Denkmal
– Treffpunkt an der Straße15:00 Kasper-Theater
„Der Kasper und die verlorene Energie“ – 30 Minuten Kasper Theater vom „Kasper Theater Rixdorf“ im Kino –

16:00 Diskussion: Mit voller Energie in die Wende
Energie war und ist ein entscheidendes Elixier
gesellschaftlicher Entwicklung, verschafft körperliche Erleichterung und fördert damit individuelle Freiheit. 1877 wurde das, was heute die Regenbogenfabrik ist, als Dampfsägewerk erbaut.

17:00 Livemusik mit „The Bollards“ | Country

19:00 Film „Der laute Frühling – Gemeinsam aus der Klimakrise“ | Regie: Johanna Schellhagen – Infos zum Film