Reblog: Porozmawiajmy o Henryku Beresce – Reden wir über Henryk Bereska

Am Freitag, dem 25. September 2026, um 19 Uhr,
nach der Sommerpause,
kehren „MY TRZY / WIR DREI“ – Ela Kargol, Krystyna Koziewicz und Ewa Maria Slaska –
ins SprachCafé Polnisch zurück

mit einem Abend, den sie

LASST UNS ÜBER HENRYK BERESKA REDEN betitelt haben

Henryk Bereska

Übersetzer polnischer Literatur ins Deutsche, Autor von Aphorismen, Dichter und – wie er selbst sagte – Vermittler, Überbringer, Förderer. Ein Suchender nach gemeinsamen Worten und Gedanken.
Er wurde vor hundert Jahren, am 17. Mai 1926, in Szopienice geboren, das heute zu Katowice gehört, und starb am 11. September 2005 in Berlin.

Er schrieb immer wieder über dieses Grenzgebiet zweier, ja sogar dreier Welten – der polnischen, der schlesischen und der deutschen.
Er lebte in Ostberlin. Die Berliner Mauer war für ihn kein von der DDR erfundenes Hindernis für die Kommunikation mit dem Westen und auch keine amüsante Kuriosität, wie sie oft von Westberlinern gesehen wurde – für ihn war sie Gefangenschaft. Er schrieb sehr oft darüber, dass er 27 Jahre lang direkt hinter der Mauer lebte und eine andere Welt sah, von der ihn Gitter, Ketten und Absperrungen trennten.
Er schrieb immer wieder über die Mauer: darüber, wie sie gebaut wurde, wie sie dastand, wie sie die Menschen unterdrückte und wie sie fiel.
Die Sanddünen und Kiefern Brandenburgs waren ihm eine Zuflucht, eine bescheidene Welt, so bescheiden wie er selbst. „Ich wohne auf einem Sandhügel“, schrieb er. Er beobachtete, wie sich das Getreidefeld wie von den Vögeln gezogen, zum Himmel erhob.

Er war ein unermüdlicher und unerschöpflicher Übersetzer, ein geistreicher Aphoristiker, ein sensibler Dichter, ein herzlicher und treuer Freund, ein bescheidener und zurückhaltender Mensch. Niemals drängte er sich in den Vordergrund, bestieg niemals bewusst den Pegasus, krönte niemals seine Stirn mit Lorbeeren. Er mied große Gesten und Pathos. Er dachte, ging, schrieb, arbeitete. Er schrieb.
Glücklicherweise berief Apollo auch ihn auf den Parnass.

Im Mai dieses Jahres organisierte u.a. die Viadrina-Universität eine Feier zum hundertsten Geburtstag von Henryk Bereska. Ela Kargol war dabei und wird davon berichten. Wir alle werden von ihm erzählen, aus seinen Gedichten und Aphorismen lesen. Wir werden uns an ihn erinnern, in Gedanken schwelgen und spüren, wie sehr er uns fehlt.

Wir sehen uns

am 25. September, Freitag, 19:00 Uhr
im SprachCafé Polnisch, Schulzestr. 1, 13187 Berlin-Pankow

Eintritt frei.
Freiwillige Spenden zugunsten des Vereins sind willkommen.

Im Rahmen des Projektes „Der Ort: Schulzestrasse“, gefördert aus Mitteln des Bezirksamtes Pankow von Berlin“.

So der Beitrag von Ewa Maria Slaska. Und warum ein Reblog bei uns?

Weil Henryk Bereska im Jahr 1999 gleich zweimal in der Regenbogenfabrik zu Gast war. Wir waren glückliche Gastgeber für ein dreijähriges deutsch-polnisches Begegnungsprojekt. Daraus sind auch später noch so viele gute Begegnungen entwachsen.

Im Juni hieß es im Programm:
Genius Loci: Mythos Litauen. Lesung mit Maria Kolenda und Iwona Mickiewicz von der Literaturedition WIR, Moderation: Henryk Bereska
In Kooperation mit der Neuen Gesellschaft für Literatur und mit freundlicher Unterstützung der Jugend- und Familienstiftung Berlin

https://regenbogenfabrik40.blog/2021/04/07/deutsch-polnische-begegnung/

Über die drei schrieben wir damals:

Iwona B. Mickiewicz-Szturo,
geb. 1963 in Leszno (Polen), lebte in Polen, Russland und seit 1988 in Berlin. Lyrikerin und Übersetzerin.
1992 Puppenmuseum, Gedichte, Oberbaum Verlag, Berlin
1996 Welten von G. Kolmar“, Übersetzungen, WIR Verlag, Berlin
1996 „Z filmu o mieœcie“, Gedichte, Wydawnictwo Literackie i WIR, Krakau

Maria Kolenda,
geb. 1958 in Urciszki (Litauen), lebte in Polen, jetzt in Berlin, schreibt Erzählungen. Mehrere Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien. Autorin und Prosa-Übersetzerin.

Beide arbeiten zusammen in der deutsch-polnischen Literatur Edition WIR in Berlin. Beide singen zusammen und sind Nachbarinnen, leben nur 15 Minuten voneinander entfernt.

Moderation: Henryk Bereska,
Übersetzer polnischer Literatur, Autor und leidenschaftlicher Spaziergänger.

Auf der Suche nach dem Stichwort Litauen hat die Suchmaschine noch andere Bilder aus dem Archiv geholt:

1998 hatten wir eine Jugendgruppe aus Litauen vom 09. bis 14.4.1998 in der Regenbogenfabrik zu Gast. Wer mal hinter den schwarzen Vorhang im Toberaum linst, kann wohl das damals entstandene Wandbild noch entdecken. Besonders in Erinnerung ist mir geblieben, wie sehr sich alle Gäste über das milde Wetter freuten und dass im – uns noch arg kalt erschienenem April – die Freude über jede Blume so groß war. In Litauen war der Winter noch lange nicht vorbei. – Wie es wohl heute wäre in den Zeiten der fortgeschrittenen Klimaentwicklung?

Doch zurück ins Jahr 1999 – das Jahr, in dem so nebenbei gesagt, die Regenbogenfabrik 18 Jahre alt wurde und zu Henryk Bereska.

„Auf einem Berg aus Sand“ und „Wenn die mageren Jahre die fetten waren“ Lesung mit eigenen Texten und Übersetzungen aus dem Polnischen.

„Die Sanddünen und Kiefern Brandenburgs waren ihm eine Zuflucht, eine bescheidene Welt, so bescheiden wie er selbst. „Ich wohne auf einem Sandhügel“, schrieb er. Er beobachtete, wie sich das Getreidefeld wie von den Vögeln gezogen, zum Himmel erhob.“ So steht es weiter oben im Beitrag. An diesen Eindrücken hat er uns damals im Regenbogenkino teilhaben.

Unsere Gäste bringen immer neu die Luft aus der großen, weiten Welt, dafür bin ich dankbar.

https://ewamaria.blog/2026/09/16/porozmawiajmy-o-henryku-beresce/

chz, Text und Fotos