Do., 07.06.2018, der Tag als die Oper auf die Regenbogenfabrik kam

Morgens um 7:30 Uhr -noch zu Hause- freute ich mich auf einen ruhigen Arbeitstag in der Regenbogenfabrik: Keine Termine, vielleicht ein wenig Verwaltungsarbeit und mal früher Feierabend machen.

Um kurz vor Acht dann „der“ Anruf von Hermann von der Lause 10/11: „Taecker hat unsere LauseLive!-Veranstaltung heute Abend auf dem Hof der Lause10 verboten, können wir auf den Hof der Regenbogenfabrik ausweichen?“ Ich: „Okay?!? Wir treffen uns um 9:00 Uhr in der Regenbogenfabrik, um das zu besprechen.“

Den „Rest“ beschreibt Marieke unten.

So wurde aus einem ruhigen kurzem Arbeitstag ein aufregender und langer, aber toller Tag und vor allem grandioser Abend. Mit vielen glücklichen Leuten – von der Lause und vielen Bekannten aus dem Kiez.

Und: Nach (damals) 37 Jahren Regenbogenfabrik der erste Opernabend!

Dank an die Lause 10/11!

Andy

2018: Die Initiative Lause Bleibt! wehrt sich gegen den Verkauf der Lausitzer Straße 10-11 zum Spekulationspreis und versucht gerade, eine Veranstaltungsreihe auf die Beine zu stellen, nach dem Motto: Die Lause lädt zu sich ein! Wir planen Kulturveranstaltungen für den Kiez: kleinere und größere Konzerte, Lesungen, Vorstellungen; auf den Fluren, in den Treppenhäusern, aber vor allem in den grauen, aber sehr gut klingenden Höfen der Lause. Wir nennen die Reihe LauseLive!

Das erste Event ist für den 7.6. geplant. Eine Operngala. Warum denn Oper? Eigentlich waren L.A. Salami und seine Band Francobollo aus London eingeladen. Die hatten sich auch schon gefreut zu kommen, in Zusammenhang mit einem Auftritt im Privatclub. Aber der Tour-Schedule hat es dann doch nicht zugelassen. Also in letzter Minute kein L.A. Salami. Was dann? Da ich mitverantwortlich  für LauseLive! und Opernsängerin bin, stellen wir auf die schnelle das Kontrastprogramm auf die Beine: Eine Operngala.

Ich lade meine Kolleg*innen Johannes Held und Anni Laukkanen ein, beide sagen sofort zu, wollen die Lause unterstützen. Wir probieren die Akustik der Innenhöfe aus und einigen uns auf einen besonders Geeigneten, der sogar eine kleine Rampe für den Auftritt hat. Wir proben fleißig, das Haus mobilisiert sich, die Werbetrommel für die Veranstaltung läuft auf Social Media an, Flyer werden gestaltet und in den Kiez verteilt, es werden Opernrequisiten für das Publikum gebastelt und bemalt. Am 6.6. machen wir noch eine letzte Generalprobe im Hof…. Und abends kommt eine Mail von der Hausverwaltung: Die Veranstaltung wird verboten. Sollten wir sie trotzdem durchführen, droht die Kündigung.

An dem Abend unterrichte ich. Nach dem Unterricht ist es schon 21:00, eine Lause-Kollegin ruft an, ich fahre zu ihr und wir suchen zusammen nach Lösungen. Wie können wir die Veranstaltung retten? Singen im Hof und Publikum an den Fenstern? Singen wir auf der Straße? Als Demo vor dem Haus? Oder vielleicht in einem benachbarten Hof? In einem benachbarten Hof… Ja! Die Regenbogenfabrik! Wer kennt wen? Schnelle, späte Anrufe, Situation erklären, könntest du nachfragen…? Es ist 23:30 als ich nach Hause komme. Ich kann kaum schlafen, wird es morgen klappen?

Am nächsten Tag sitzen wir schon um 09:00 vor der Regenbogenfabrik und beschreiben das Dilemma. Andy schaut etwas ungläubig: Was kommt auf mich zu? Eine Operngala? Heute??? 300 Gäste? Aber er sagt zu und ab dem Moment fließt der Tag, in einer unglaublich tollen Zusammenarbeit, alle machen mit. Wir proben den ganzen Nachmittag im Hof der Regenbogenfabrik, die Bühnensituation ist komplett neu und wir müssen vieles neu stellen. Die Kitakinder sind ein wunderbares Publikum und wollen nicht gehen, als sie abgeholt werden, manche sitzen noch lange mit ihren Eltern auf den Schaukeln und schauen zu, was wir auf der Bühne treiben.

Eine knappe Stunde vor Vorstellung gehen wir zurück zur Lause, um uns umzuziehen, wir haben unsere beste Gala-Kleider für den Abend bereit gestellt… Der Weg zurück zur Regenbogenfabrik ist dann auch in Frack und Abendkleid. Beim Späti wird verwundert geguckt, das Spätipublikum nochmal eingeladen.

In der Regenbogenfabrik stehen Bänke bereit, die Bar ist offen, es gibt “Häppchen” und “Sektorange” in bestem Opernstil; die aus Pappe gebastelten Opernrequisiten stehen am Eingang bereit. Der Hof füllt sich schnell. Der Abend öffnet mit einer starken Rede, und dann sind wir dran. Wir sind aufgeregt, mal gucken wie hier auf Oper reagiert wird…

Wir, die aufgetreten sind, werden es nie vergessen: Da – an einem lauwarmen Sommerabend, die Sonne schien noch auf den Bäumen – saß der Kiez, bunt, gemischt und teilweise geschmückt in bunten Pappkravatten und Pappfliegen, Diademe und mit “Operngläsern“. Die Kinder schaukelten im Takt auf den Schaukeln am Spielplatz. Kids kamen von der Straße rein und guckten sich das Spektakel an. Es war eine unglaublich warme, wunderbare Energie, im besten Regenbogen-Stil: Sie hat uns komplett durch das Konzert getragen, obwohl wir nach so vielen Proben und dem Stress am selben Tag schon erschöpft waren. Beim Programm haben wir nicht an Drama gespart: Von Tosca bis zum Eifersuchts-Duett zwischen Graf und Gräfin aus Figaros Hochzeit (inkl. Axt) war vieles dabei und wurde mit Neugier, Offenheit und auch Begeisterung aufgenommen.

Der Erfolg des Abends hat maßgeblich dazu beigetragen, die Gedanken an einer gemeinsamen Kiez-Oper weiterzuspinnen, dies hat ein Jahr später zur Gründung von Kollektiv Lauratibor geführt und zur Protest-Oper Wem gehört Lauratibor?, die am 12.6.2021 unterschiedliche Kämpfe gegen Verdrängung im Kiez besingen wird.

In Wem gehört Lauratibor? wird die Regenbogenfabrik von den drei erfahrenen Druiden dargestellt. Die, die noch wissen, wie man den Zaubertrank des Widerstands braut und die, die den Kämpfenden wieder Halt und Mut geben.
So war es auch damals: Wir von LauseLive! werden immer sehr dankbar dafür sein, dass die Regenbogenfabrik so schnell und selbstverständlich die Türen für eine etwas ungewöhnliche Veranstaltung geöffnet hat, und in bestem “Druiden-Stil” gezeigt hat, was alles möglich ist, wenn man offen ist füreinander und gemeinsame Plattformen schafft.

Alles Gute zum 40 jährigen Jubiläum und auf noch viele weitere Jahre Regenbogenfabrik in der Lausitzer Straße!

Marieke Wikesjo

www.lause10.de

www.lauratibor.de

Was alles noch so passiert unter einem Regenbogen

Berlin for Future

An jedem ersten Montag im Monat: Mit über 20 weiteren Gruppen und Organisationen ruft Berlin4Future zur Klima-Montag-Demo auf.

Die Initiative Berlin4Future ist ein freier Zusammenschluss von Menschen, Initiativen und Organisationen, die ein entschlosseneres Handeln der Politik fordern, um die angesichts der Klimakrise bestehenden Herausforderungen zu bewältigen. Der Initiative können sich Privatpersonen, Initiativen und Gruppierungen der Klimagerechtigkeitsbewegung, aber auch Vereine, Kitas, Verbände, Kirchen, Einzelhandelsunternehmen, Gewerbetreibende und andere Unternehmen aus Berlin anschließen.

Was euch heute im Juni erwartet ist aktuell zu lesen:

https://www.berlin4future.de/

Gemeinschaftliches Wohnen bringt ökologische Vorteile

Der Traum von der „Selbstverwirklichung“ und der Symbiose von „Leben und Arbeiten“ stand am Anfang der Geschichte der Regenbogenfabrik. Allerdings erforderten die noch heute nachweisbaren Hinterlassenschaften des Vorbesitzers, der Chemiefabrik ALCA, 1982 einen Austausch des Boden im Fabrikhof bis zur tiefe von 2 Metern. Das machte uns anschaulich klar, welche Auswirkungen ein Wirtschaften ohne Berücksichtigung der ökologischen Auswirkungen hat. Der Beitrag zur Entwicklung einer umweltverträglichen Lebens- und Arbeitsweise war deshalb von Anfang ein wichtiges Kriterium bei Aktivitäten und Entscheidungen in der Regenbogenfabrik.

Bei der zwischen 1991 und 1995 in Selbsthilfe durchgeführten Instandsetzung und Renovierung des Hinterhauses spielten ökologische Aspekte deshalb eine besondere Rolle. Über die damals üblichen Renovierungsstandards hinaus wurden eine Dachbegrünung und eine Regenwassernutzungsanlage installiert. Außerdem wurden umweltverträgliche und ökologische gut abbaubare Farben, Lacke und Baustoffe verwendet sowie mehr Wärmedämmung als damals vorgeschrieben und eine effizientere Wärmeversorgung eingebaut. Da die zusätzlichen Ausgaben hierfür nicht durch die Förderung des Senats im Rahmen des Selbsthilfeprogramms gedeckt waren, mussten sie durch vermehrte Eigenleistungen der Bewohner:innen finanziert werden.

Aber das hat sich gelohnt. 2015 haben wir analysiert, wie sich der Klimafußabdruck einer Bewohner:in des Hinterhauses von dem Bundesdurchschnitt unterscheidet: Insgesamt sind die jährlichen CO2-Emissionen pro Bewohner:in des Hinterhauses um fast ein Drittel niedriger als der Durchschnitt (Klimaschutz durch Konsument:innen). Diese Reduktion wird einerseits durch das emissionsärmere Hinterhaus (insbesondere Strom- und Wärmeversorgung), andererseits aber auch durch das ökologische und klimabewusste Verhalten der Bewohner:innen (weniger Flugreisen, Zug statt Pkw, fleischarme Ernährung, etc.) und nicht zuletzt durch gemeinschaftliches an sich Wohnen bewirkt. Wenn Geräte wie Waschmaschinen oder Räume gemeinschaftlich genutzt werden, können sie besser ausgelastet werden und verursachen entsprechend weniger Emissionen. Die Wohnfläche pro Bewohner:in liegt bei 13% unter dem Durchschnitt. Das trägt dazu bei, dass weniger Emissionen durch Heizen entstehen.

Die Analyse hat aber auch gezeigt, dass die pro-Kopf-Emissionen im Hinterhaus noch immer dreimal so hoch sind, wie langfristig als global verträglich gilt (2 t CO2/Person). Dies liegt unter anderem daran, dass ein Teil der Emissionen nicht direkt von den Bewohner:innen beeinflusst werden kann, z.B. Emissionen, die durch die öffentliche Dienstleistungen oder Infrastruktur entstehen, und weil ein nicht unwesentlicher Teil der Emissionen, die durch privaten Konsum entstehen, methodisch nicht weiter differenziert und daher mit bundesdurchschnittlichen Werten den Bewohner:innen des Hinterhauses angerechnet werden.

Damit langfristig eine vollständige Dekarbonisierung möglich ist, muss die Wärmeversorgung mittelfristig aber auf Technologien umgestellt werden, die vollständig ohne fossile Energieträger auskommen. Und selbstverständlich muss auch die Stromversorgung sowie die öffentlichen Dienstleistungen und der sonstige Konsum möglichst weit vor 2050 vollständig auf erneuerbare Energieträger umgestellt sein. Ein Teil des Weges in Richtung Dekarbonisierung ist also bereits zurückgelegt. Aber wir sind noch nicht am Ziel und das werden wir nur erreichen, wenn es neben den Reduzierungen im eigenen Umfeld hinreichenden politischen Druck für die Transformation zu einer klimaverträglichen Gesellschaft gibt.

Martin Cames

Kotti & Co

26. Mai 2012 | Die Mieterinitiative „Kotti & Co“ besetzt nach einem Strassenfest eine Fläche vor dem Sozialbau am Kottbusser Tor. Dort errichtet sie eine Protesthütte („Gecekondu“, ein über Nacht hochgezogenes Haus), um sich gegen Mieterhöhungen und Vertreibung aus ihrem Kiez zu organisieren.

August 201 - Kotti Soli Party in der Regenbogenfabrik
2012 Kotti Soli Party

Auf ihrer Homepage schreiben die Leute von Kotti & Co:
Wir haben uns als Mietergemeinschaft Kotti & Co am Kottbusser Tor zusammen gefunden, um unser Recht auf Stadt vor dem Hintergrund der Geschichte der Migration zu erkämpfen. Wir sind 2011 in einer heterogenen Nachbarschaft in Berlin-Kreuzberg entstanden und wir kämpfen gegen hohe Mieten (u.a. im Sozialen Wohnungsbau) und Rassismus.

Wir haben 2012 mit einem selbstgebauten Holzhaus (Gecekondu) den Platz vor unseren Sozialwohnungen am Kottbusser Tor (Kotti) besetzt und protestieren seitdem u.a. mit Lärmdemos und dem Gecekondu gegen die Verdrängung von Mieter*innen mit kleinem Einkommen aus der Innenstadt und die hohen Mieten der Berliner Sozialwohnungen.

Pressemitteilung vom 26. Mai 2012

Mieter gehen auf die Strasse und bleiben

Am Samstag, 26.5.2012 um 17:00 haben wir unsere Wohnungen am südlichen Kottbusser Tor nach einem Strassenfest der Mieterinitiative „Kotti & Co“ auf die Strasse verlängert. Wir protestieren damit gegen die steigenden Mieten im sozialen Wohnungsbau am Kottbusser Tor. Alle Verantwortlichen aus der Landes-Politik und von den Mietervereinen haben in den vergangenen Monaten zum Ausdruck gebracht, dass sie für den sozialen Wohnungsbau nichts tun wollen oder nichts tun können. Dabei fehlt lediglich der politische Wille, hier Mietobergrenzen einzuführen, um die Mieter, die zum Teil seit Jahrzehnten hier wohnen, zu schützen. Die Problematik ist vielen bekannt.

Wir haben uns jetzt zu einem „Protestcamp“ entschlossen, bis die Landesregierung eine Lösung für den sozialen Wohnungsbau findet. Auf Senatsebene ist bisher nur von Neubau und den kommunalen Wohnungsbaugesellschaften die Rede. Überhaupt nicht wird über die Misere vieler Bestandsmieter gesprochen. Am südlichen Kottbusser Tor sind jedoch über 1000 Wohnungen in privater Hand. Die Eigentümer GSW und Hermes bekommen seit Jahrzehnten Subventionen, inzwischen ohne ihrer Aufgabe, bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen, nachzukommen. Sie reden noch nicht einmal mit uns.

Wir fordern Senator Müller daher auf, umgehend eine Kappungsgrenze (wieder) einzuführen und diese Wohnungen mittelfristig  zu kommunalisieren. (Weitere Informationen, Forderungen und Anregungen auf unserer Webseite)

Wie wir unser Camp verstehen: Ein Zitat aus dem Brief der Mieter an Innensenator Henkel und die Polizeipräsidentin Koppers:

„Viele von uns wohnen hier am Kotti seit Jahrzehnten, unsere Kinder gehen hier zur Schule, unser Familien wohnen in der unmittelbaren Nähe, sowie unsere Freunde und Freundinnen. Wir engagieren uns seit Jahren für ein schönes Kottbusser Tor. Wir sind im Quartiersrat aktiv, sind Elternvertreter an den Schulen oder sind in soziale und kulturelle Projekte im Quartier eingebunden. Wir feiern Feste, helfen in der Nachbarschaft, verschönern mit viel Eigeninitiative unser Wohnumfeld und vieles mehr.

Heute protestieren wir in Form eines ‚Protest-Camps’ am Kottbusser Tor, da wir – nach zahlreichen Versuchen unsere äußerst dramatische Situation Herrn Senator Müller deutlich zu machen – an Grenzen gestoßen sind. Zuletzt am 21.5.12 auf einer Veranstaltung der Friedrich Ebert Stiftung: Dort äußerte sich Herr Müller nochmals deutlich darüber, was er in Bezug auf dem sozialen Wohnungsbau unternehmen möchte: leider nichts. Für uns bedeutet dieses konkret ein alltägliches Drama. Unsere Existenz ist durch die steigenden Mieten so bedroht, dass wir keine Alternative sehen, als stärker auf unsere Lage aufmerksam zu machen. Deshalb machen wir diese Aktion.

Es ist ein friedliches und offenes Camp. Wobei wir gar nicht wissen, ob Camp der richtige Name ist. Eigentlich ist es einfach unser Vorgarten. Ein Teil unseres Zuhauses. Wir gehen einen Schritt vor die Tür. Wir gehen an die Öffentlichkeit. Wir werden uns auf keine konfrontative Situation einlassen. Wir werden aber auch bleiben. Wir wohnen hier. Wir sind sowieso hier. Genau darum geht es bei diesem Protest ja auch.“

https://kottiundco.net/