Räumung der Kiezkneipe Syndikat

Mit einem Großaufgebot räumte die Polizei am 7. August die Neuköllner Kiezkneipe Syndikat. 700 Polizisten im Einsatz, verstärkt durch Hubschrauber, weiträumige Absperrungen und Einrichtung einer roten Zone – ein gewaltiger Einsatz gegen tausende solidarische Nachbar*innen und andere Protestierende im Auftrag einer Spekulanten-Briefkastenfirma. Nach 35 Jahren ist das Syndikat in der Weisestraße Geschichte. Der Kampf für eine Stadt von unten, für mehr Syndikate, für autonome Freiräume und für den Erhalt aller von Zwangsräumung bedrohten Projekte und Mieter*innen geht weiter.

„Es klingt jetzt vielleicht pathetisch, aber es ist ein bisschen so, als wäre hier das Herz aus dem Schillerquartier herausgerissen worden. Und das halt nur, weil man aus Geld noch mehr Geld machen muss. Ich kann das eigentlich immer noch nicht fassen.“
Elsa Marlene H, Nachbarin (in: Interview mit Madlen Haarbach, Tsp Leute)

Hunderte Unterstützer*innen hatten die Nacht über noch versucht, die Strasse für den anrückenden Gerichtsvollzieher zu blockieren und die Zwangsräumung zu verhindern. Das Syndikat war 35 Jahre fest im Neuköllner Schiller-Kiez verankert und musste sich am Ende juristisch und politisch gegen ihre Kündigung durch die zunächst anonymen neuen Eigentümer wehren. Dem Kollektiv gelang es, ein mafiöses Briefkastengeflecht und Immobilienimperium der britischen Milliardärsfamilie Pears (Pears Global) aufzudecken, verweigerte die Übergabe der Schlüssel und behielt den Betrieb noch mehr als ein Jahr weiter aufrecht. Schliesslich setzten knapp 1000 Polizisten mit Wasserwerfern und Hubschraubern gewaltsam die Räumung durch. https://berlin-besetzt.de/#!

Widerstand und Repression in Chile

Soli-Veranstaltung

Fr., 30.07.2021 | 19:00 | Im Hof

Seit Oktober 2019 gibt es in Chile zahlreiche Proteste, die das während der Pinochet-Diktatur eingeführte Wirtschaftsmodell verändern wollen.
Die Menschen sind auf die Straße gegangen, um „ein Leben in Würde“ zu fordern, was von den Polizeikräften unter der Regierung von Sebastián Piñera brutal unterdrückt wurde. Die Repressionen haben jedoch nicht ausgereicht, um die Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Die chilenischen Fotografinnen Nicole Kramm und Sofia Yanjari sind in Berlin zu Gast und wir wollen mit ihnen über ihre Arbeit sprechen, da sie die sozialen Proteste und polizeiliche Repression dokumentieren.

Nicole Kramm ist auch Teil der Koordinationsgruppe „Opfer von Augentraumata“ und ist eine feministische Aktivistin, die Teil der Gruppe „8M“ ist.

Wir möchten in der Veranstaltung über die aktuelle Situation in Chile informieren und die Koordinationsgruppe „Opfer von Augentraumata“ sowie die Reise der beiden Fotografinnen unterstützen.

https://www.regenbogenfabrik.de/kultur-news-anzeigen/widerstand-und-repression-in-chile.html

Veranstalter: Rayuela Kollektiv, unterstützt durch Regenbogenfabrik.

Bike Demo am 26.7.21 | Gegen die Räumung vom KØPI-Wagenplatz

14:00 Start at KØPI – Köpenicker Str. 137
Visit the lawyer of the „owner“ of Rigaer 94.
End with Kundgebung at Kaiserdamm 13
Sanus AG Office of the „owner“ of KØPI & Køpi Wagenplatz.
Be Loud – BRING NOISE!

Die KØPI und der Wagenplatz sind seit mehr als 30 Jahren selbstorganisiertes Kulturprojekt und auch Wohnraum für Menschen von Jung bis Alt und unterschiedlicher Herkunft, die hier zum Teil seit mehreren Generationen leben. Sie ist ein bedeutender Anlaufpunkt für politische und künstlerische Kollektive aus aller Welt, ist seit ihrer Gründung betont unabhängig von staatlichen Geldern oder Sponsoren, strikt nichtkommerziell und dafür international bekannt.

Leider ist die KØPI einer der letzten solcher Räume entlang des Spreeufers. Sie konnte sich bis heute erfolgreich gegen drohende Verdrängung durch Investoren und Großkonzerne behaupten, die hier teure Büros und andere Glaspaläste für Reiche bauen.
Das Spreeufer war nach dem Mauerfall und als das Haus besetzt wurde, Herz und Puls der Berliner Subkultur; umgeben von anderen Wagenburgen und Projekten wie der EastsideGallery oder dem Kanal, alternativen Clubs und günstigen Mietwohnungen. Nun ist es eine der teuersten Gegenden in Berlin.

Schaut bei direkt vorbei in der Köpenicker Straße.

Oder bei

Aktuell auch ein Interview in der taz:

aktuell: https://taz.de/Freiraeume-in-Berlin/!5786180/

Foto: Desiree Fischbach

Bezahlbaren Wohnraum für alle sichern

Die Überschrift klingt für die meisten wohl nach einem sympathischen Ziel. Bei näherem Hinsehen enthält er durchaus Sprengstoff. Fangen wir mit dem Einfachen an: „Sichern“! Viele alte Projekte – „alte“ bedeutet für mich die 80er und 90er Jahre – sind als GbR, Verein oder Ein-Haus-Genossenschaft konzipiert worden. Inzwischen sind die Häuser bezahlt, der Generationenwechsel steht an. Damit aber gleichzeitig auch die Gefahr, dass solche Häuser privatisiert werden.

Die GbR kann ihr Haus verkaufen. Das ist Bruchteilseigentum in privater Hand. Der nicht-gemeinnützige Verein, wie auch die Genossenschaft können sich per Beschluss auflösen. Gegebenenfalls noch lästige, ideelle, Vereinbarungen der Satzungen werden vorher per Beschluss gestrichen. Nach der Auflösung wird das Vermögen auf die verbleibenden Mitglieder verteilt. Das bedeutet jede/r bekommt eine Wohnung oder eine erhebliche Summe Geldes aus dem Verkaufserlös. Ganz einfach, so eine Privatisierung.

Fördermittel des Landes Berlin? Geleistete Selbsthilfe ehemaliger Bewohner? 30 Jahre aus Mieten getilgte Darlehen? Finanzielle Unterstützung von Freunden des Hauses aus der Gründungsphase? Pech! Das fließt den Mitgliedern zu, die den Verein/die Genossenschaft auflösen – und das müssen nicht unbedingt die Mitglieder der ersten Stunde sein. Auch wer nur wenige Jahre im Haus wohnt und Mitglied wurde, wird „bereichert“. Das Haus ist wieder „auf dem Markt“. Jede/r neue Käufer*in bezahlt den (derzeit sehr hohen) Marktpreis und daraus resultiert wiederum eine Miete an der Oberkante des Marktes.

Die Leute aus dem Wohnhaus der Regenbogenfabrik haben das Gebäude an die Mietergenossenschaft SelbstBau e.G. übergeben. Mit ihr als Erbbaurechtsnehmerin ist die Gefahr einer Privatisierung sehr gering, weil die Genossenschaft aus 28 Häusern besteht, ein Auflösungsbeschluss also viel schwerer zu erwirken sein wird. Durch den Kauf des Grundstücks durch die Stiftung trias ist zudem eine unabhängige Dritte in der Konstruktion, die durch die Zweckbindungsklausel, sowie Vor- und Ankaufsrechte einschreiten kann, sollte doch ein Verkauf geplant sein.

Bezahlbarer“ Wohnraum für alle? Auch hier türmen sich Fragen auf.

„Unsere“ günstigen Mieten sind „gesichert“. Was ist mit vielen anderen Berliner*innen, die auch so günstigen Wohnraum bräuchten? Die Kostenmiete alter Projekte liegt oft unter vier Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Mieten im Neubau oder in renoviertem Altbau auf dem freien Markt liegen über zwölf Euro. Wäre es so undenkbar bei Wohnungswechsel acht Euro zu berechnen?
Von einer solchen Miete würden viele noch träumen. Was der Genossenschaft übrig bleibt geht in eine Rücklage zur Schaffung neuer, bezahlbarer Wohnungen. Oder ist „das Hemd näher als der Rock“ und „Hauptsache ich bin versorgt“. Ich habe so wenig Einkommen, mir muss geholfen werden?

Die Stiftung trias kennt diesen Widerspruch und weiß, wie schnell der Genossenschaftsauftrag „die eigenen Mitglieder zu fördern“ in Selbstversorgung umschlägt. Wenn Jede*r für sich sorgt, ist schließlich für alle gesorgt?! Der Erbbauzins aus dem Grundstück dient den Stiftungszwecken. So kann für ein neues Projekt ein Grund gekauft werden und über einen niedrigen Erbbauzins auch wieder günstiger Wohnraum zur Verfügung gestellt werden. Die Stiftung muss ihre Erträge für gemeinnützige Zwecke verwenden. Insofern stellt sie den Gegenpol zum Genossenschaftsgedanken dar. Eine Polarität, die sich aufs Schönste ergänzt. Der Erbbauzins läuft 99 Jahre und länger? Ja! Das ist so gewollt. Solidarität ist auch eine Frage von Ökonomie und nicht nur von Sonntagsreden und Festschriften. Nur wenn auch Geld fließt, können „alle“ auch bezahlbaren Wohnraum erhalten.

Rolf Novy-Huy, Mitgründer und Vorstand der Stiftung trias

https://www.stiftung-trias.de