Geburtstagskind des Tages – Sahdu

Wir haben uns für das kleine Interview kurz auf dem Stockwerk zusammengesetzt. Und natürlich ist mir dann gleich wieder eingefallen, wie Sahdu im Sommer die erste Frage schon einmal beantwortete; damals, als wir im Fabrikhof den Kauf des Hauses durch die Genossenschaft feierten. Vier von uns hatten sich vorgenommen, den Gästen über das Haus zu berichten und wir traten in der Reihenfolge unseres Einzugs auf die Bühne. Sahdu war an dritter Stelle. Und sagte: Ich hab noch nie woanders gewohnt, seit meine Mutter mich aus dem Krankenhaus hier hineingetragen hat. Also:

1. Seit wann bist bzw. von wann bis wann warst Du hier und in welchem Bereich?

Seit 2002 wohne ich im 3. Stock des Hinterhauses, nie woanders.

2. Welches ist Dein Lieblingsort auf der Fabrik?

Im Haus auf jeden Fall die Essensgruppe und der Balkon. Das Kino und die Holzwerkstatt. Wenn ich mich entscheiden muss, dann ist mir der allerliebste Platz die Dachterrasse.

3. Mit einem Wort: Was ist die Fabrik für Dich?

Zuhause.

4. Lieblingsessen in der Kantine?

Chili con carne.

5. Was wünschst Du der Fabrik zum Geburtstag?

Dass sie noch lange hält und noch mehr Leuten ein gutes Zuhause bietet.

Geburtstagskind des Tages – Anonyma

Unverhofft und auf ungewöhnliche Weise hat sich heut das Geburtstagskind des Tages gemeldet. Es ist eben nicht jedermenschens Sache, einfach so im Internet zu stehen. Also folgen wir den uns eingesandten Worten:

6.12.2021

Gedicht zum Nikolaus
…. und heut‘ bin ich der Nikolaus.
Ich wohn‘ hier auch in diesem Haus.
Wer hätte das gedacht, schon eine ganze Weile,

drum schreib ich nun die eine und die andre Zeile.
Der Regenbogenfabrik möcht‘ ich herzlich gratulieren,
und wünsche ihr noch viele, viele wunderbare Jahre,
in denen die Menschen in der Regenbogenfabrik zusammenkommen,

und schöne gemeinsame Momente erleben und Erfahrungen sammeln können.
Gemeinsam unter dem Dach der Regenbogenfabrik leben – sich in vielen Facetten entwickeln
– so wie auch ein Regenbogen das so macht – leuchtend in den Augenblicken.

Liebe Regenbogenfabrik, alles Gute zu Deinem Jubiläumsjahr 2021!

Dein Nikolaus
Hinterm Regenbogen

Hexen und King Kong als Zeichen des Feminismus in Frankreich

Land der Simone de Beauvoir und der Olympe de Gouges – Frankreich hat definitiv den Ruf, große Feministische Autorinnen zu erzeugen. Peinlich ist mir aber, dass obwohl ich Le deuxième Sexe (das andere Geschlecht, 1949) und Déclaration des Droits de la Femme et de la Citoyenne (Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin, 1791) besitze, sie nur kurz und faul durchgeblättert habe.

Ich bin steinharte Feministin, habe auch viel während meiner Studentenzeit im Milieu mitgewirkt und sogar mit meinen Freundinnen einen feministischen Verein in meiner Uni gegründet, „Bas les Pattes“ (so was wie „Finger weg“). Konzepte und Realitäten des Kampfes kenne ich ganz gut, da wir sie durch und durch diskutiert und debattiert haben. Aber wenn akademisches Wissen zum Thema wird, bin ich manchmal ein wenig faul. Ich meine, um feministisch zu sein, braucht man ja nicht immer Bücher! Besonders so alte, die nichts mehr mit unserer Realität zu tun haben! Okay, Entschuldigung, diese Werke sind ultrawichtig und auch immer noch relevant, aber ich will nur auf den Punkt bringen, dass der heutige Feminismus weitaus diverser ist als früher und mehr zu sagen hat.
Andere Bücher, nicht-akademischen Kreisen mehr zugänglich, wurden geschrieben und setzen sich als auschlaggebend in der jetzigen französischen Gesellschaft durch.

Zwei Werke der heutigen französischsprachigen Literatur stechen immer hervor als durchbrechende Lektüren zur feministischen Entwicklung von jungen und auch weniger jungen Menschen in Frankreich.

Erstmal King Kong Theorie von Virginie Despentes:
Der Essay von 2006, geschrieben in einem sehr rohem Vokabular, verursachte Aufruhre in der Literatur- und Aktivistenwelt und wurde als „neo-feministisches Manifest“ gesehen.
Das Werk von Despentes erzählt von eigenen Erfahrungen mit Prostitution, Vergewaltigung, Pornographie und weiblicher Sexualität und zeichnet eine Bestandsaufnahme des aktuellen Feminismus in Frankreich und dessen Zukunft. Eine Punk-Rock Beschreibung der weiblichen Unterdrückung und ein Must-read für jede:r Feminist:in.
Die deutsche Übersetzung des Buches findet man beim KiWi-Verlag (https://www.kiwi-verlag.de/buch/virginie-despentes-king-kong-theorie-9783462052398)

Mehr zu dem Buch:
https://msternchenw.de/king-kong-theorie-das-schonungslose-feministische-manifest-der-subversiven-franzoesischen-autorin-virginie-despentes/

Das zweite Werk ist Hexen: die Unbesiegte Macht der Frauen von Mona Chollet, eine Schweizerische Autorin und Journalistin. 2018 ist dieses Buch in Frankreich herausgekommen und es hat meine Perspektive über Mutterschaft und Misogynie neu aufgebaut. Thema des Buches ist vorwiegend die Figur der Hexe und wie sie mit allem verbunden ist, was der patriarchalen Gesellschaft und seinen Bild der Frau Angst macht: alt, hässlich, machtvoll, unabhängig und ganz besonders, ohne Kinder. Warum werden Frauen ohne Kinder so viel mehr stigmatisiert als Männer ohne Kinder? Warum wird ein alternder Mann mit grauen Haaren als sexy gesehen aber Frauen über 50 Jahren werden in Mediendarstellungen gelöscht und ignoriert?

Diese Fragen werden parallel mit der Geschichte von Hexenjagden im XVI. und XVII. beantwortet, und Spoiler: viel hat es mit Frauenhass zu tun. Durch dieses Buch wird auch die Wiedereroberung (Reappropriation) der Figur der Hexe als feministische Ikone erklärt, was die Entstehung von dem W.I.T.C.H-Gruppen (Women’s International Terrorist Conspiracy from Hell) in den Vereinigten Staaten oder das Witch Bloc bei Demos in Frankreich, begründet.

Das Buch ist in 2020 vom Verlag Nautilus auch auf Deutsch übersetzt und herausgegeben worden: https://edition-nautilus.de/programm/hexen/

Mehr zum Buch:
https://frauenseiten.bremen.de/blog/hexen-die-unbesiegte-macht-der-frauen-von-mona-chollet-eine-buchempfehlung/

Diese Bücher sind sehr interessant und erleuchtend über die Bedingungen der Frauen in Frankreich der aktuellen Zeiten.
Für mich sind sie auf jeden Fall unumgänglich in meiner feministischen Entwicklung.

Wer weiter liest, kämpft weiter.

Charlotte