Tag der Schwarzwälder Kirschtorte

Und was die Zuger Kirsch- und Engadiner Nusstorte damit zu tun haben

Gerne nehme ich diesen Tortenehrentag zum Anlass ein erstes Licht auf die 2006 gegründete (22.11.06) Kuchenbäckerei der Regenbogenfabrik vorauszuwerfen und ein wenig aus meiner Kindheit zu plaudern.

Da hat es die Schwarzwälder Kirschtorte also zu einem eigenen Ehrentag geschafft. Zu verdanken hat sie das wahrscheinlich dem Foodblogger Bryan Hopkins aus Alabama. Sein Blog foodimentary.com ist eine echte Instanz in Sachen kulinarischer Feiertage.

Von mir hätte sie keinen Gedenktag erhalten. Ich persönlich halte diese Sahnetorte bestehend aus mit Kirschwasser aromatisiertem Schokoladenbiskuitboden, Kirschen, Sahne und Schokoflocken für masslos überschätzt.  

Seit den 1930er Jahren ist sie bekannt und vielerorts äusserst beliebt.

Zu ihrem Namen kursieren vier Erzählungen: Die dunklen Schokoraspeln würden an einen dunklen Wald, wie den Schwarzwald, erinnern. Das Kirschwasser, einer ihrer zentralen Zutaten, wird überwiegend im Südschwarzwald produziert. Ein dritter Narrativ rekurriert auf einen schweizerischen Vorläufer, daher womöglich die schweizerische Bezeichnung Schwarzwäldertorte. Die vierte Erzählung stellt eine Analogie zur traditionellen Frauentracht der Dörfer Gutach, Krinbach und Reichenbach her. Das Schwarze Kleid würde durch die Schokoflocken, die weisse Bluse mit der Sahne und der typische Bollenhut mit roten Kugeln durch die Kirschen symbolisiert.

Wo auch immer der Name herkommen mag, seit dem 19. Jahrhundert ist ein Nachtisch aus Kirschen, Sahne und Schokolade bekannt.

Aber wo wurde die Schwarzwälder Kirschtorte denn nun wirklich kreiert?

Bisher glaubte man, der Konditor Josef Keller (1887-1981) habe sie für sein Café Agner im Bonner Vorort Bad Godesberg bereits 1915 erfunden.

Der Tübinger Stadtarchivar Udo Rauch sieht das aber anders. Er meint, die Geschichte der Schwarzwälder Kirschtorte müsse umgeschrieben werden. Rauch verwies 2007 auf den Konditormeister Erwin Hildenbrand. Dieser habe für das Tübinger Café Walz im Frühjahr 1930 die erste Schwarzwälder Kirschtorte gebacken. Belege für die eine oder andere Geschichte gibt es nicht. Die Indizien vom Tübinger Ursprung scheinen jedoch eine Spur glaubhafter als jene des Bad Godesberger Ansatzes.

Gesichert jedoch ist, dass diese Sahnetorte 1934 erstmals schriftlich erwähnt wurde. Im Backbuch „250 Konditorei- Spezialitäten und wie sie entstanden sind“ von J. M. Erich Weber findet sich erstmals ihr Rezept.

Seit 2006 findet in Todtnauberg im Schwarzwald alle 2 Jahre das Schwarzwälder Kirschtortenfestival statt, an dem Amateur*innen wie Profis mit ihren Torten in Wettstreit treten.

In Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA hat dieses geschichtete Gebäck aus Sahne, Kirschen, Kirschwasser und Schokolade längst den Siegeszug angetreten und zählt zu den populärsten Torten der Welt.

Auch in der Kuchenbäckerei hatten wir sie fast von Anfang an im Angebot.

Aber ich habe sie nie gebacken. Nein, ich habe sie noch nie in meinem Leben hergestellt. Wie käme ich auch dazu? …

Maria Marchetta hat noch sehr viel mehr zu sagen über Torten an und für sich, über das Leben und mehr. Doch lassen wir uns dafür Zeit. Zu schade, das in einem Happs zu vertilgen.

Fortsetzung folgt!

12. April 2021