Was heute als gelungene Vermischung von Wohnen und Gewerbe neu geschätzt wird, war in den 60er Jahren in Verruf geraden: die Kreuzberger Mischung. Diese Art der Stadt-Bebauung in Mischform aus Wohnen und Gewerbe. Von außen sieht die Passantin die Blockrandbebauung, die Vorderhäuser, denen sich Seitenflügel und einen bzw. mehrere Hinterhöfe anschließen. In einer baulichen wie sozialen „Dreigliederung“ diente das Vorderhaus mit bürgerlicher Fassade als Wohnraum für das Bürgertum (Kaufleute, Beamte, Wohnungseigentümer), während die Seitenflügel in deutlich einfacherer Bauweise für das günstige und bescheidene Wohnen der Arbeiter und Rentner vorgesehen war. Im Hinterhaus bzw. in der Remise waren kleine Gewerbe, Manufakturen, Fuhrunternehmen, Reparatur- und Produktionsbetriebe ansässig. (Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Mischung)
Am Kottbusser Tor und an der Prinzenstraße kann besichtigt werden, was stattdessen als gute neue Stadt gedacht war. Weiter rein nach SO 36 kam es dann anders. Ein Kunstprojekt erinnerte in den 80er Jahren daran, dass hinter den Wohnhäusern auch produziert wurde.
An der Ecke Reichenberger/ Lausitzer weisen diese Erinnerungen nun ins Leere. Eine neue Baustelle überdeckt zum Teil die Mosaike.






Das Gewerbe wurde mit hohen Mietforderungen vertrieben (Merke: Wir brauchen Mieterschutz auch im Gewerbe!)
Im Berliner Mietermagazin vom Mai 2023 wurde zu dieser Adresse berichtet:
Das Vorderhaus umschließt mit den Häusern Reichenberger Straße 140/141 und Lausitzer Straße 11-15 einen großen, gemeinsamen Hinterhof, ursprünglich eine klassische Mischnutzung mit Wohnungen vorne und Gewerbe in den Hinterhöfen. Nach dem Krieg wurden die Gebäude von der ehemals gemeinnützigen Aktiengesellschaft Gagfah errichtet, die ihre Bestände 2004 an den US-Investor Fortress verkaufte. Sie werden heute von der Blaczko Hausverwaltung bewirtschaftet. Der Hof blieb frei und bot den Wohnungen viel Sonnenlicht. 2015 wurde die Reichenberger 142 verkauft. Die Gewerbebetriebe wurden nach und nach durch überhöhte Mietforderungen vertrieben. 2016 musste auch das Kollektiv „werkstatt für metallbearbeitung drittwerk“ nach langen Scherereien mit dem Eigentümer raus. Sie wären gern geblieben. Es gab Pläne, dass sie das Gebäude selbst übernehmen. Schließlich wurde abgerissen. Solche Verdrängungs-Episoden hinterlassen Narben, die im Kiez nicht vergessen werden.
weiterlesen: https://www.bmgev.de/mieterecho/archiv/2023/me-single/article/wer-hier-kauft-kauft-aerger/
Das soll die neue Kreuzberger Mischung werden? Nachverdichtung ist womöglich keine so schlechte Idee, wenn wir verhindern wollen, dass die Stadt sich immer weiter ins Land frisst. Doch weshalb sollen dies Wohnungen sein, die anderen das Licht wegnehmen und die bis zu 2,5 Millionen kosten? https://www.hype-and-hide.de/
Sozial geht anders. Das muss immer neu ausgesprochen und bekämpft werden. Hört auf, das Wohl der Stadt bei Immobilienimperien zu suchen. Es gibt genug andere Wege der sozialen Stadtentwicklung.


DIE HÄUSER DENEN, DIE DRIN WOHNEN!
Text und Fotos: Christine Ziegler





















